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2016-12-04 00:07:13 +01:00

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post Eine Progressive Agenda für Deutschland 2016-12-02 18:00:00 +0200 politics

Einleitung

Über die letzten Jahre habe ich mich auf verschiedenen Ebenen der Universität Hamburg engagiert. Während dieser Zeit ist vieles passiert - gute wie schlechte Dinge. Das politisch für mich Wichtigste war jedoch der Aufstieg von Bernie Sanders. Diese Entwicklung hat mich begeistert und mir gezeigt, dass Politik nicht nur wichtig ist, sondern auch Spaß machen kann. Vor diesem Hintergrund bin ich zum Schluss bekommen, dass auch Deutschland eine progressive Bewegung braucht, die weit über die Parteien hinausgeht. Dies hat zu der folgenden progressiven Agenda für Deutschland geführt.

Mein Hauptfokus war dabei eine positive Vision zu formulieren, die real existierenden Probleme zu adressieren und eine realistische Lösungsperspektive aufzuzeigen.

Weltbild

Die Geschwindigkeit der weltweiten Veränderungen mit weltweiten Auswirkungen hat seit meinem Studienbeginn 2012 drapide zugenommen. Fast wöchentlich passieren wichtige Ereignisse mit weitreichenden Auswirkungen. Die Terroranschläge in Paris, der Aufbau einer Diktatur in der Türkei, der Rechtsruck in Polen, die Brexitentscheidung, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsident, der zunehmende Zeitdruck etwas gegen den Klimawandel zu tun, bevor es zu spät ist, stärkere Hurricanes, die steigende Einkommensungleichheit und abnehmende soziale Gerechtigkeit, Kürzungen bei sozialen und kulturellen Einrichtungen und viele weitere Ereignisse lassen leicht den Schluss zu, dass es fast nur noch negative Dinge in der Welt gibt.

Wer sich auf diese Perspektive einlässt und von Endzeitszenarien spricht, verkennt die Chance für positiven transformativen Wandel. Es ist eine Zeit von Umbrüchen. Bestehende Ordnungen zerfallen, als sicher geglaubte Wahrheiten sind überholt und das Neue ist unbekannt und macht Angst. Doch diese Zeit des Umbruchs ist auch eine Chance. In dieser Zeit kann und muss die wirtschaftliche Ordnung neu gedacht werden. Statt sich einzubunkern auf alte Zeiten zu besinnen, muss sich der Herausforderung gestellt werden und es müssen neue Lösungen entwickelt werden.

Der Blick in die Vergangenheit gibt Hoffnung, dass genau dies gelingen kann. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war eine ähnliche Zäsur. Trotz dessen wurden in kürzester Zeit enorme Fortschritte erzielt. Das Zeitalter der Kolonien war vorbei. Die Menschheit setzte den ersten Schritt auf den Mond. Europa erwuchs mithilfe des Marshall-Plans innerhalb kürzester Zeit zu enormer wirtschaftlicher Stärke trotz der Trümmer des Zweiten Weltkriegs. Das Zeitalter der Kriege im Kerneuropa war vorbei. Klar gab es auch viele Probleme zu jener Zeit. Der anschließende Kalte Krieg war sicher nicht ideal für die Menschheit, Bürgerrechte wurden vielerorts auch in Demokratien missachtet oder existierten für Teile der Bevölkerung schlichtweg nicht.

Es kann jedoch schlecht argumentiert werden, dass die Zeit vor dem Weltkrieg eine bessere war. Die Produktivitätszuwächse in der Argrarproduktion erlaubten überhaupt eine Verstädterung und beendeten die Zeit von Hungersnöten in Europa. Die Produktivitätszuwächse in der fertigenden Industrie waren die Grundlage für die Wandlung zur Dienstleistungsgesellschaft und ermöglichten mehr Menschen den Zugang zu höherer Bildung.

Kurzum: Trotz konkreter Probleme wurde die Gesamtsituation besser und es gab einen gesamtgesellschaftlichen Fahrstuhleffekt. Allen ging es besser, wenngleich Ungleichheit weiterhin bestand. Dieses positive Zukunftsbild ist Kern dieser Agenda. Es gibt Probleme, aber wir können sie überwinden. Lasst uns aufhören im Trübsaal zu versinken und starten über die Lösungen nachzudenken.

Wirtschaft

Eine Vielzahl progressiver Organisationen, Parteien, Bündnisse uvm. tut sich schwer mit der Rolle der Wirtschaft. Teilweise wird die gesamte Wirtschaft als negativ erachtet. Dies verhindert jedoch die sinnvolle Lösung von den vielen Problemen der Gesellschaft. Die Wirtschaft wird immer Teil der Gesellschaft sein. Daher sollte es darum gehen, wie die Wirtschaft organisiert ist, damit diese tatsächlich die echten Probleme lösen kann und den Wohlstand generiert, der die Gesellschaft als Ganzes ermöglicht.

Das ist im Prinzip vergleichbar mit der Legalisierung von Marihuana. Wenn es verboten ist, dann existiert es trotzdem. Aber andere - in dem Fall Drogenbarone, organisierte Kriminalität - verdienen daran und gestalten den Bereich. Im Falle einer Legalisierung kann die Nutzung reguliert werden und damit eine verantwortliche Nutzung ermöglicht werden.

Wenn progressive Positionen also kein konstruktives Wirtschaftsbild haben, dann verbuchen andere (bspw. CDU, FDP) diese Punkte für sich. Die diffuse Forderung den Kapitalismus zu überwinden, ohne zu zeigen, dass das neue Modell tatsächlich besser sein kann und funktioniert, ist ein Garant dafür die Gestaltungsmacht aus der Hand zu geben.

Diese Gedanken formen das Wirtschaftsbild der Agenda. Wirtschaft ist an sich nichts Schlimmes. Dennoch gibt es aktuell reale Probleme mit der Organisation der Wirtschaft. In den letzten Jahren gab es unglaublich große Produktivitätszuwächse, was sich vereinfacht gesprochen an den Profiten von Unternehmen ablesen lässt, die aber nicht bei allen angekommen sind. Wirtschaft dient dann der Gesellschaft und ist hilfreich, wenn Produktivitätszuwächse (z.B. höhere Profite) zu höheren Gehältern aller Angestellten und Mitarbeiterinnen und/oder niedrigeren Arbeitszeiten führen. Denn dann werden die Gewinne aus Produktivität umverteilt an alle Beteiligten und dann ist es auch kein Problem, wenn die CEOs viel verdienen. Die höheren Gehälter und niedrigere Arbeitszeit führen zu höherer Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen, was sich wiederum in einer höheren Produktivität niederschlägt. Dagegen sind Stress und Burnoutgefahr Garanten für langfristig abnehmende Produktivität und Verluste.

Außerdem sollte Wirtschaft sich daran machen, bezahlbare Lösungen zu den tatsächlichen Problemen der Gesellschaft zu finden. Dafür sind einerseits Kartelle und Monopole zu unterbinden und andererseits ist es notwendig, dass vor diesen Kriterien schädliche Geschäftsideen keinen Erfolg am Markt haben und auf keinen Fall vom Steuerzahler subventioniert werden. Wenn sich ein Geschäftsmodell nur rentiert, indem den Mitarbeiter*innen Niedriglöhne gezahlt werden, dann scheint es keine Probleme sinnvoll anzugehen und es schafft auch kein Wohlstand. Es beutet lediglich aus, erzielt auch keine Produktivitätszuwächse und verteilt maximal Geld nach oben. Solche Firmen sollten auch pleite gehen können, ohne dass auf Zwang versucht wird, diese mit Steuermitteln künstlich am Leben zu halten.

Denn derartige Subventionierung von problematischen Geschäftsmodellen, auch wenn sie im Einzelfall Jobs sichert, schafft Fehlanreize. Es ist für angehende CEOs ja einfacher einfach eine bestehende Idee abzuwandeln, zu hypen, schnell auf Pump Mitarbeiter*innen einzustellen und dann die Firma vom Staat durchfüttern zu lassen, als wirklich eine innovative Idee zu entwickeln. Nur wenn glasklar ist, dass schlechte Ideen am Markt keine Chance und auch keine Aussicht auf staatliche Förderung haben, kann Innovation in der Breite erreicht werden.

Außerdem müssen Bedingungen geschaffen werden, in denen die Bürger*innen sich umfassend über Geschäftsmodelle informieren können, sodass derartige Blasen auffliegen und weniger Menschen darauf hineinfallen. Dafür müssen Standards zur Information geschaffen werden. Diese werden von alleine dafür sorgen, dass gute Firmen, die echte Probleme lösen und gute Gehälter und Löhne zahlen, nicht mehr durch schlechte Firmen in einen unfairen Wettbewerb gezerrt werden. Das ist ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft und auch für die gesamte Produktivität.

Betrug wie z.B. Preisabsprachen muss ermittelt und bestraft werden.

Zusammengefasst ergeben sich diese Forderungen:

  • keine Subventionierung von schädlichen/unrentablen Geschäftsmodellen (z.B. Atomenergie, Kohle)
  • Marktbedingungen durch u.a. Informationspflichten schaffen, die schädliche Geschäftsmodelle offenbaren und somit eine korrektive Wirkung entfalten (z.B. Ampelsystem zur Kennzeichnung von Produktions- und Transportbedingungen [u.a. Löhne/Gehälter, Klimaverträglichkeit, CO2-Fußabdruck, Arbeitssicherheit])
  • Emittlung und Bestrafung von Betrug (u.a. Bilanzfälschung, Insolvenzverschleppung, Steuerhinterziehung, Unterlaufen von Mindestlohn, Nichtbeachtung von Arbeitssicherheit) - bei Geldstrafen sollte das Geld teils als Lohn/Gehalt an die Mitarbeiter*innen und teils in den Topf für Sozialleistungen gehen

Politik

Die Politik hat einen schlechten Ruf in Deutschland. Dies hat viele Gründe. Zum Teil ist es Auslegungssache, warum dies der Fall ist. Gebrochene Versprechen, Politik gegen die "kleinen Leute" und eine gewisse Arroganz haben mit Sicherheit einen Anteil an dem Ruf. Auch das Bild eines Politikers in Deutschland ist miserabel.

Dies ist jedoch eine schlechte Voraussetzung, um progressive Veränderungen durchzuführen. Denn um tiefgreifende Veränderungen durchzuführen, die uns strukturell auf die kommenden Jahrzehnte vorbereiten und die dringenden Probleme strukturell lösen, bedarf es einer Menge an politischem Kapital. Dieses baut sich jedoch nur über Vertrauen auf. Eine einzelne Person mag vielleicht das Vertrauen erringen, doch nur wenn das Vertrauen in das gesamte politische System wiederhergestellt wird, werden wir nachhaltig in der Lage sein die notwendigen Entscheidungen für Deutschland zu treffen, die im Einzelfall eine kurzfristige Verschlechterung der Situation bedeuten können.

Dieses Vertrauen in das gesamte System wird nur dann erzeugt werden können, wenn die Politikerinnen tatsächlich die Interessen der Bevölkerung und nicht nur einiger Weniger vertreten. Das zentrale Thema dabei ist strukturelle Korruption. Es geht nicht um den direkten Austausch von Geld gegen Gesetze oder Abstimmungen, welcher ohnehin strafbar sein sollte bzw. ist. Sondern es geht darum, dass z.B. Zugang zu CDU- und SPD-Politikerinnen mittels Geld erworben werden konnte.

Zugang zu den gewählten Politiker*innen ist für eine Demokratie essentiell. Durch diese Art von Deals wird es jedoch Personen bzw. Organisationen mit viel Geld deutlich einfacher gemacht diesen Zugang zu erhalten. So etwas ist eine Bevorteilung gewisser Interessen, da zivilgesellschaftliche Lobbygruppen, wie bspw. Transparency International, Abgeordnetenwatch, Democracy International, Greenpeace, etc. auf Spenden basieren und diese Menge Geld nicht zur Verfügung haben. Großkonzerne und Reiche haben jedoch dieses Geld und können sich somit den Zugang leisten. Auch der Zugang in den Bundestag durch die in der Vergangenheit ausgegebenen Hausausweise war unproportional auf wohlhabende Wirtschafts- und Privatinteressen verteilt.

In diesem Bereich hilft nur größere Transparenz und die Bekämpfung der angesprochenen strukturellen Korruption. Wenn alle gesellschaftliche Gruppen - auch die Wirtschaft - den gleichen Zugang zu Politikerinnen haben, dann ist das Problem überwunden. Nur durch die Beseitigung dieser Art von Korruption kann das Vertrauen gewonnen werden, dass die gewählten Vertreterinnen des Volkes tatsächlich dessen Interessen vertreten.

Dies vorweggeschickt bin ich der Überzeugung, dass der Politik eine wichtige Rolle zukommt. Sie ist dafür verantwortlich die Entwicklungsrichtung des Landes zu bestimmen - von Bundesebene bis auf Kommunalebene - und Bedingungen zu schaffen, durch die alle Menschen in die Lage versetzt werden ihre Ziele zu verwirklichen, ohne dass dabei andere Menschen diskriminiert werden.

Damit sich die Menschen eine Meinung machen können über die zur Wahl stehenden Entwicklungsrichtungen, sind Visionen absolut notwendig. Visionen alleine machen keine gute Politik aus, denn sie sollen ja auch verwirklicht werden. Aber ohne Visionen geht es eben auch nicht. Leider hat sich die deutsche Politik der letzten Jahrzehnte dahin entwickelt, dass es praktisch keine Visionen mehr gibt bzw. vorhandene Visionen schlecht kommuniziert werden oder mangels realpolitischer Umsetzungsperspektive utopisch erscheinen. Dies muss sich wieder ändern und diese niedergeschriebene Agenda leistet einen ersten Beitrag dazu.

Zudem soll Politik auch Spaß machen und nicht dröge wirken. Es täte der politischen Diskussion daher gut, wenn Politikerinnen energiegeladener sprechen und weniger Worthülsen dreschen. Wir brauchen keine polierten Politikerinnen, deren Aussagen keinen Inhalt haben. Stattdessen brauchen wir raue, unveredelte Politikerinnen, die tatsächlich etwas sagen und auch eine artikulierte Meinung haben. Wir brauchen Politikerinnen wie Bernie Sanders oder Elizabeth Warren. Solche Politiker*innen können dann auch die Menschen für Politik begeistern, was dringend nötig ist.

Zusammengefasst ergeben sich diese Forderungen:

  • strukturelle Korruption bekämpfen
  • Transparenz erhöhen durch u.a. Offenlegung von Nebeneinkünften
  • Visionen artikulieren, gepaart mit Umsetzungsplan
  • politische Aussagen sollten höheren Inhaltsgehalt haben

Regierung

Die Regierung ist essentieller Bestandteil unserer Demokratie. Sie ist der Ort der Gestaltung. Viele Menschen haben jedoch das berechtigte Gefühl, dass die Regierung nicht für sie da ist. In der Regierung wird viel gestaltet, aber meistens wird noch für Menschen gestaltet statt mit ihnen. Es gibt jedoch bereits vereinzelt Projekte, bei denen die Menschen in die Entscheidungen mit einbezogen werden. So wurde in Hamburg in einer Art Crowdsourcing nach möglichen Stellen für Flüchtlingsunterkünfte gesucht. Dieses Projekt war sehr erfolgreich und einige der Stellen konnten direkt genutzt werden. Solche Projekte lassen die Bürger*innen mitgestalten und sorgen dafür, dass für die Politik eine größere Wertschätzung erzeugt wird. Auch aus Legitimationsgründen sind solche Projekte sinnvoll.

Statt Bürgerinnenbeteiligung als Hindernis zu betrachten, sollte es als Chance wahrgenommen werden. Auf Stadtebene ist dies einfacher umzusetzen als auf Bundesebene. Aber auch bundesweit gibt es sinnvolle Aspekte, die sich für Open Government eignen. Wenn es um bspw. um den Bau von Stromtrassen von Nord nach Süd geht, dann sollten Bürgerinnen bereits bei der Routenwahl Ideen einbringen können und beteiligt werden. Das kann bspw. Blockaden von Bürgerinitiativen im späteren Verlauf reduzieren. Darüber hinaus kann es auch Probleme geben, die nur bundesweit zu lösen sind, aber noch gar nicht bekannt sind. Hier würde eine Art "Bugtracker" für die Politik hilfreich sein, sodass Bürgerinnen auf einfache Weise wahrgenommene Probleme melden können. Bürgerinnen könnten diese Probleme kommentieren und bewerten und somit kann sich eine wertvolle Ressource für die Regierung ergeben, da sie nicht auf Umfragen angewiesen ist, um Probleme festzustellen, sondern ganz im Detail Hinweise bekommen kann.

Dieser "Bugtracker" könnte als bundesweites Regierungsinternetplattform genutzt werden. Somit würde ein einheitliches System enstehen, wo Bürgerinnen zentral festgestellte Probleme melden können (inkl. möglicher Beweise und Untersuchungen) und diese können dann bewertet werden. Wenn in einem festzulegenden Zeitraum eine festzulegende Anzahl Menschen dieses Problem als allgemein anerkennt, dann würde im nächsten Schritt durch Regierungsangestellte die Einteilung in Zuständigkeitsbereiche erfolgen (Bund, Land, Kommune). Schließlich könnte seitens der Bürgerinnen eine Priorität für die Probleme vergeben werden. Dadurch erscheinen die wichtigsten Probleme ganz oben und die begrenzten Ressourcen können dann am effektivsten für die Lösung eingesetzt werden.

Da dieses System nicht repräsentativ wäre, soll natürlich nicht das ganze Regierungshandeln darauf basieren. Aber es ist eine sinnvolle Ergänzung. Im Haushaltsplan sollte ein sogenannter Bürger*innenhaushalt geschaffen werden. Diese Mittel werden dann anhand der Priorität und Wichtigkeit der gemeldeten Probleme für die Lösung jener Probleme eingesetzt. Ergänzend können dann Umfragen zu den wichtigsten Problemen gemacht werden. Stellt sich heraus, dass diese auch bei einer repräsentativen Umfrage für ganz Deutschland hervorstechen, oder wenn sie ohnehin schon Teil von Regierungshandeln sind, dann können auch Mittel außerhalb dieses Haushaltstitels verwendet werden.

Die Plattform kann ferner als Ideenworkshop genutzt werden. Wenn Bürgerinnen Ideen haben, wie diese Probleme gelöst werden können, dann können sie Umsetzungsvorschläge machen. Diese können Gesetzesvorlagen sein, aber auch Vorschläge für Regierungshandeln oder Erfindungen. Da durch eine Veröffentlichung von Erfindungen diese nicht mehr patentierbar sind, sollen die einreichenden Bürgerinnen für diese Veröffentlichung entlohnt werden. Wenn die Erfindung von einer festzulegenden Anzahl an Bürger*innen als nützlich erachtet wird, landet sie in einem öffentlichen Repository, welches von jeder Person eingesehen werden kann. Startups können für die Implementierung und serienreife Umsetzung dieser Ideen eine Förderung beantragen. Die entstehenden Produkte müssen von einer großen Mehrheit der betroffenen Personen bezahlt werden können.

Bei ausgewählten Problemen bzw. Ideen kann die Regierung auch Kommissionen bilden, in denen kompetente Bürger*innen sitzen, die dann ganz konkret Lösungsvorschläge erarbeiten.

Diese Interaktionsplattform würde ferner die zentrale Datenplattform werden. Dort würden alle durch Behörden und Ministerien erhobene Daten (z.B. Verkehrsdaten) - unter Wahrung des Datenschutzes - unter einer freien Lizenz veröffentlicht. Damit stünden allen Organisationen und Bürger*innen gleichermaßen die öffentlichen Daten zur Verfügung.

Zuletzt wäre die Plattform auch eine Informationsplattform, auf der alle Regierungen (Bundes- bis Kommunalebene) eigene in ihrer Verantwortung stehende Seiten hätten, auf denen über das Regierungshandeln informiert wird (Presseerklärungen, Regierungszusammensetzungen, etc.).

Die Betreuung dieser Plattform würde einer unabhängigen Behörde übergeben, sodass eine Änderung der politischen Ausrichtung nicht die Verfügbarkeit dieser Infos unterbindet.

Ebenfalls würden alle Anträge und Formulare über diese Plattform laufen. Es wäre also der eine Platz, an dem alle Interaktionen mit der Regierung stattfinden. Demnach hätten alle Bürgerinnen die Möglichkeit einen Account zu bekommen, der eindeutig ist. Um eine etwaige politische Verfolgung zu verhindern, würden die nicht hoheitlichen Interaktionen auf der Plattform jedoch losgelöst unter einer öffentlichen, konfigurierbaren Persona gespeichert werden. Dadurch ließe sich im Nachhinein nicht mehr flächendeckend nachvollziehen, wer bspw. welches Problem gemeldet hat. Es wäre jedoch sichergestellt, dass nur real existierende Bürgerinnen eine Persona für die nicht hoheitlichen Interaktionen haben können. Das würde Spam vorbeugen.

Unter hoheitlichen Interaktionen werden jegliche Anträge und Formulare, wie bspw. die Einreichung der Steuererklärung oder Ummeldungen verstanden. Die anderen vorab erklärten Interaktionen gelten hier als nicht hoheitliche Interaktionen.

Diese Plattform kann und soll aber nicht die persönliche Interaktion vor Ort ersetzen. Damit diese auch besser für die Bürgerinnen wird, soll trotz Beamtenstatus eine Serviceorientierung statfinden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beamtinnen ausgebeutet werden sollen, sondern dass sich eine Mentalität durchsetzt, dass die Behörden Dienstleistungen für die Bürgerinnen anbieten und somit diese zeitnah erledigt werden sollten. Die Öffnungszeiten sollten sich ebenfalls am realen Bedarf der Bürgerinnen orientieren, sodass Öffnungszeiten von 10-12 Uhr der Vergangenheit angehören. Diese kann keine arbeitende Person wahrnehmen.

Zusammengefasst ergeben sich diese Forderungen:

  • Bürger*innenbeteiligung in der Breite nutzen
  • Schaffung einer zentralen Regierungsinteraktionsplattform
    • Äußerung von Problemen
    • Einbringung von Ideen
    • Veröffentlichung von öffentlichen Daten
    • hoheitliche Interaktion mit der Regierung (Anträge und Formulare)
    • Hosting von Informationsseiten der einzelnen Regierungen
  • Serviceorientierung in Behörden einführen
  • längere Öffnungszeiten für persönliche Interaktion mit Behörden

Gesellschaft

Der letzte Highlevel-Bereich dieser Agenda befasst sich mit der Gesellschaft. Im Anschluss folgen die Detailbereiche zu einzelnen Themen der Agenda.

So konkret die Vorstellungen bei der Regierung sind, so diffus ist dies beim Gesellschaftsbild. Denn wer oder was ist eigentlich die Gesellschaft? Im Laufe dieser Agenda umfasst die Gesellschaft sowohl die Wirtschaft, als auch die Politik, Kultur, soziale Einrichtungen, Organisationen und natürlich die Bürger*innen selber.

Es gibt sehr unterschiedliche Menschen und diese Agenda würde die Linie zur nicht umsetzbaren Utopia überschreiten, wenn die Menschen in der Gesellschaft definiert würden - wenn also eine gewisse Art und Weise von Menschen vorausgesetzt würde. Denn dies ist der eine Faktor, der unter keinen Umständen direkt beeinflussbar ist, weswegen es hinderlich ist sich die Gesellschaft derart zu definieren.

Stattdessen geht es hier eher darum, wie die Teilhabe an der Gesellschaft aussehen kann. Der erste Punkt ist dabei eigentlich selbstverständlich. Alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, Religion, Haut-, Haar- oder Augenfarbe, Behinderung, ihrem biologischem Geschlecht, ihres Alters oder ihrer sexuellen Orientierung bzw. Identität sind gleichberechtigter Teil der Gesellschaft. Niemand darf aufgrund dieser Merkmale bzw. Eigenschaften diskriminiert werden.

Kultur muss ohne Profitzwang stattfinden können und allen Bürgerinnen offenstehen. Ebenfalls muss jeder in der Lage sein sich selber als Kulturschaffende*r einzubringen, ohne Existenzängste haben zu müssen.

Ein wichtiger Bestandteil von Teilhabe an der Gesellschaft ist auch die Möglichkeit Veranstaltungen zu planen und sich produktiv zu organisieren. Daher sollte es zumindest in jeder größeren Stadt Organisationsworkshops geben, in denen sich Bürger*innen die Grundkompetenzen der Organisierung einer Gruppe aneignen können.

Grundeinkommen

Damit dies realisiert werden kann und ebenfalls eine staatliche Subventionierung von schädlichen Geschäftsmodellen ausbleiben kann, bedarf es dem universalen Grundeinkommen. Um hier eine überbordene Bürokratie zu sparen, kann jeder Bürgerin mit einem einfachen Antrag ohne Begründung oder weitere Bedingungen dieses Grundeinkommen beziehen. Es ist somit ein bedingungsloses Grundeinkommen, da keine Bedingungen - außer einem Antrag - gegeben sein müssen für den Bezug. Gleichzeitig wird dadurch ein Automatismus verhindert und wer kein Grundeinkommen beziehen möchte, kann somit darauf verzichten und so dem Staat Geld sparen.

Dieses Grundeinkommen würde die vielen Sozialausgaben ersetzen und somit eine massive Bürokratieverringerung mit sich bringen, bestehende Sozialhilfeempfängerinnen aus der faktischen Stigmatisierung befreien und allen Bürgerinnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Niemand wäre mehr gezwungen gegen die Würde einen Job anzunehmen, nur um zu überleben oder sich die Pein des HartIV zu geben. Damit wäre Artikel 1 des Grundgesetzes endlich erfüllt. Selbst sehr wirtschaftsnahe Verbände wie der IWF fordern mittlerweile ein solches Grundeinkommen. Umsetzbar wäre es ebenfalls, wenn bedacht wird, dass die gesamte Überprüfungsbürokratie wegfällt und damit deren Kosten, alle bisherigen Sozialleistungen auf ein Grundeinkommen umgeschwenkt werden können und alle Gerichtskosten von Klagen gegen HartzIV-Sanktionen - in denen meistens der Staat verliert und somit die Kosten trägt - wegfallen. Insoweit Verwaltungsstellen abgebaut werden und an diese Menschen dann das Grundeinkommen gezahlt wird, werden die Kosten eher sinken, da das Grundeinkommen wahrscheinlich niedriger ist als das vorherige Gehalt der Stellen. Diese Menschen wären dann frei ihre Kraft für andere Dinge einzusetzen, wodurch keine weiterhin gebrauchten Leistungen wegfallen würden, sondern vielmehr mehr Leistungen/Aktivitäten angeboten werden könnten in der Gesellschaft. Es entstünde also ein Produktivitätszuwachs ohne Mehrkosten.

Es würde zudem die Neugierde und Innovationskraft der Menschen fördern. Denn ohne Existenzangst ist es einfacher neue Ideen auszuprobieren und vielleicht ein Startup zu gründen, um eine der über die Plattform gesammelten Ideen umzusetzen. Damit könnte Deutschland Innovationsstandort bleiben bzw. es wieder werden und zudem Innovation auf viel stärkere Beine stellen. Denn wenn jeder innovieren könnte und nicht nur Firmen mit viel Geld, dann würde sich auch der Produktivitätsgewinn gerechter verteilen.

Durch das Grundeinkommen kann auch die Förderung der Kultur zurückgefahren werden, denn die Hauptkosten dort sind das Personal. Wenn dieses aber nach unten hin über das Grundeinkommen abgesichert ist, dann fallen weniger Ausgaben an und somit besteht weniger Förderbedarf. Wenn Kulturleistungen gut nachgefragt werden und Profite abwerfen, dann spricht nichts dagegen, dass diese dann in höhere Gehälter bzw. Gagen fließen.

Die Personalkosten der Wirtschaft würden massiv sinken, da die Löhne und Gehälter um die Höhe des Grundeinkommens gesenkt werden könnten ohne dass sich für die Betroffenen ein Nachteil ergeben würde. Dies setzt Mittel für Innovation frei und ermöglicht auch einen einfacheren Einstieg in die Wirtschaft, welches die Vielfalt des Wettbewerbs auf dem Markt erhöht. Allerdings würde es nicht verhindern, dass schädliche Geschäftsmodelle vom Markt verschwinden, da keine Person für Niedriglöhne arbeiten wird, wenn dies zum Lebensunterhalt nicht nötig ist. Das Grundeinkommen würde also ergänzend wirken und dafür sorgen, dass die Gehälter und Löhne sich einem Median annähern. Im unteren Einkommensbereich würden sie steigen, da aufgrund des Wegfalls vom Arbeitszwang die Attraktivität dieser Arbeitsplätze massiv sinkt und im oberen Spektrum könnten sie linear um die Höhe des Grundeinkommens gesenkt werden ohne Nachteile für die Arbeitnehmer*innen und mit Vorteilen für das Unternehmen.

Zudem könnte das gesamte Rentensystem abgeschafft werden, da durch das Grundeinkommen bereits Altersarmut verhindert wird. Dies baut massiv Bürokratie und Kosten ab und verringert weiterhin die Kosten für Arbeitnehmer*innen, da nicht länger Beiträge gezahlt werden müssen. Ebenfalls könnte das Pensionssystem abgeschafft werden, da auch hier durch das Grundeinkommen die Sozialansprüche abgegolten sind. Da die aktuellen Pensionen höher bemessen sind, als es das Grundeinkommen vermutlich sein wird, können diese Gelder mehr Menschen zugute kommen, indem sie in die Bezahlung des Grundeinkommen überführt werden.

Die Kosten für Beamtinnen würden sinken um die Höhe des Grundeinkommens. Dies ist nicht direkt eine Ersparnis, aber auch keine Mehrausgabe, da die Gelder lediglich aus einem anderen Topf kommen. Basierend auf der Zuständigkeit für die Bezahlung (wenn Beamtinnen aus Länderhaushalten und das Grundeinkommen aus dem Bundeshaushalt bezahlt würden) müssten aber potentiell Gelder transferiert werden.

Medien

Um die mit dem Grundeinkommen steigende Produktivität abseits der Wirtschaft auch dokumentieren und publik machen zu können, sollen lokale Bürgermedien eingerichtet werden. Das sind also Radiosender, TV-Sender oder Onlinenachrichtenmagazine, an denen sich jeder beteiligen kann. Diese sollen auch eine journalistische Schulung anbieten. Nur durch eine solche dezentrale Medienlandschaft, wo die Themen besprochen werden, für die sich tatsächlich auch Bürgerinnen interessieren, wird die aktuelle Medienkrise überwunden werden können. Es gibt bereits vereinzelte solche Projekte. Diese sind auszubauen und zu institutionalisieren. Alle Inhalte dieser Medien sollen unter freie Lizenzen gestellt werden und somit für alle dauerhaft frei abrufbar sein.

Internet- und Kabel-TV-Anbieter werden verpflichtet Sendekanäle für diese lokalen Bürgermedien freizugeben bzw. sie in den TV-Angeboten einzuspeisen.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen beibehalten werden. Allerdings soll ihr Aufgabenfeld dem 21. Jahrhundert angepasst werden, sodass sie mithilfe der Rundfunkbeiträge auch investigative Recherchen durchführen können. All ihre Produktionen (TV, Radio, Internet) sollen unter freien Lizenzen veröffentlicht werden und für alle dauerhaft frei abrufbar sein.

Zusammenfassung

Zusammengefasst ergeben sich diese Forderungen:

  • universales Grundeinkommen
  • Einrichtung und Ausbau von Bürgermedien
    • freier Zugang für alle Bürger*innen
    • journalistische Schulung
    • freie Sendekanäle für diese Medien
    • alle Inhalte sind frei und dauerhaft für alle verfügbar
  • Anpassung der Rundfunkstaatsverträge, sodass alle von öffentlich-rechtlichen Medien produzierten Inhalte frei und dauerhaft für alle verfügbar sind

Bildung und Wissenschaft

Ein zentraler Aspekt für den Erfolg aller bisher beschriebenen Punkte ist die Bildung. Wenn zunehmend harte körperliche Arbeit durch effizientere Roboter und auch sonst sich wiederholende und ohne Entscheidungskompetenz stattfindene Tätigkeiten durch Software bzw. Computer ersetzt werden, dann bedarf es einer neu ausgerichteten Bildungs- und Wissenschaftslandschaft. Das deutsche Bildungssystem befindet sich in den letzten Jahren in einer Dauerkrise. Auf Schulebene waren Reformen so häufig wie Trainerwechsel beim HSV. Kaum war eine Reform fertig, wurde in der nächsten Legislaturperiode bereits vieles wieder umgeworfen. Dieser Trend scheint sich jedoch in den letzten Jahren etwas verlangsamt zu haben.

Der Hochschulbereich ist seit Einführung von Bachelor/Master in Dauerproblemen. Nicht alle Bereiche sind gleichermaßen davon betroffen gewesen und in den letzten Jahren wurden sich viele Reformen erkämpft. Trotzdem befinden sich Universitäten weiterhin im Richtungsstreit darüber, ob es um eine passfertige Ausbildung für die Wirtschaft oder um Bildung nach dem Humboldtschen Bildungsideal geht.

Über all diesen Dingen thront eine chronische Unterfinanzierung, die Kooperation im Wissenschaftsbetrieb einschränkt und eine desaströse Standortpolitik mit sich bringt. Dabei gehören Schulen eindeutig zur Daseinsfürsorge - jede*r muss zur Schule gehen laut Gesetz und kann sogar durch die Polizei zur Schule gebracht werden - und in einer Dienstleistungsgesellschaft mit zunehmender Komplexität muss die Frage gestellt werden, ob nicht auch Universitäten zum Bereich der Daseinsfürsorge gehören.

In Deutschland haben wir ein starkes System der betrieblichen Ausbildung und handwerklichen Lehre, welches in der Form bspw. in den USA nicht existiert. Daher sollte nicht versucht werden die Universitäten zu reinen Ausbildungsstätten zu machen.

Trotz all dieser Entwicklung können wir nicht einfach die Zeit zurückstellen und uns in die "gute alte Zeit" besinnen. Vielmehr müssen wir die Schul- und Universitätsbildung dahingehend gestalten, dass es optimale Synergieeffekte mit den anderen Bereichen der Gesellschaft gibt.

In der Schulbildung sollten einige Grundsätze beachtet werden. Die natürliche Neugierde von Kindern sollte nicht bekämpft, sondern gefördert werden. Das Hinterfragen des Status Quo ist nichts Schlechtes, sondern Motor von Fortschritt und genialen Ideen. Ebenso sind Kinder mit unterschiedlichen Lerntypen und Herangehensweisen individuell zu fördern. Die Grundschule sollte dabei die Grundlagen der Gesellschaft lehren, wie sie es bisher größtenteils tut. Dabei sollte bereits Englisch ab der dritten Klasse gelehrt werden.

Weiterführende Schule

Die weiterführende Schule soll Kinder und Jugendliche auf ein Leben in der Gesellschaft vorbereiten. Dazu gehören gute Englischkenntnisse. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine gute Sprachqualität nur durch regelmäßiges Sprechen ermöglicht wird. Auch ist das Ansehen von Filmen in Originalsprache (Englisch) mit englischen Untertiteln dafür essentiell. Daher sollte es den Schüler*innen ermöglicht werden Filme der Filmgeschichte in der Originalsprache Englisch anzusehen - ohne eine Analyse des Filmes. Dadurch wird die Sprache und gleichzeitig Kultur vermittelt.

Ein weiterer Aspekt der weiterführenden Schule ist die Vermittlung der literarischen Kultur. Göthe und Schiller sind da die deutschen Paradeexemplare, aber auch Exilliteratur aus den 30er und 40er Jahren sollte zum Pflichtprogramm gehören. Dabei geht es um das Lesen und Verstehen dieser Werke. Wenn das Ganze gut gestaltet wird, dann kann das auch Spaß machen und wird nicht als nervend empfunden.

Kunst- und Musikunterricht sind ebenfalls wichtig. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mir der Kunstunterricht den Spaß an der Kunst ausgetrieben hat. Als Kind habe ich gerne gemalt. In der Schule musste ich dann aber Qualitätskriterien erfüllen, welches mir diesen Bereich der Kreativität komplett abgetötet hat. Außerdem habe ich dadurch nichts über die Kultur gelernt. Viel spannender wäre es gewesen, wenn der Kunstunterricht mit Kunstgeschichte begonnen hätte und im kreativen Teil einfach Raum für Ideen gegeben worden wäre ohne Benotungsdruck.

Dabei hätte es nicht geschadet, wenn zu Beginn einer kreativen Phase gewisse Grundschritte gezeigt worden wären. Die Ergebnisse der Schülerinnen hätten dann einfach für sich stehen sollen ohne Benotung aber gerne mit konstruktivem Feedback. Freiwillige Wettbewerbe wären dann die Möglichkeit für begabte Schülerinnen ihr Können zur Schau zu stellen.

Beim Musikunterricht wurde ebenfalls viel zu stark auf das reine Erlernen von Instrumenten geachtet. Schülerinnen ohne private Musikkenntnisse waren hier im Hintertreffen. Vielmehr sollte der Musikunterricht in der Schule die Musikgeschichte und Musikkultur (von klassischer Musik bis moderner Filmmusik) vermitteln. In einer praktischen Phase hätten dann alle Schülerinnen sich in einem Musikinstrument der eigenen Wahl unterrichten lassen können. Wenn ich nicht unter Leistungsdruck Musikinstrumente hätte lernen müssen, dann würde ich vielleicht heute in der Freizeit tatsächlich noch welche spielen. Der Zwang Gitarre zu lernen hat für mich jeden Spaß am Musizieren vertrieben.

Außerdem hätte digitale Musik zur Auswahl stehen sollen als zu erlernendes Musikinstrument. Selbst ohne Fingerfertigkeiten und musikalisches Gehör hätte ich so vielleicht für einen Laien ganz passable Musikkombinationen zusammenstellen können.

Bewegung ist ebenfalls wichtig. Aber der Sportunterricht hätte dramatisch anders verlaufen sollen. Wenn wir im Sportunterricht alleine Spiele gemacht hätten ohne Leistungsdruck, dann hätte ich vielleicht noch heute mehr Spaß an entsprechender Bewegung.

Für all diese Fächer (Kunst, Musik, Sport) hätten als Option auch Leistungskurse zur Verfügung stehen sollen, in denen die Schülerinnen auf beste Leistungen vorbereitet werden. Aber es sollte nicht jeder zu Leistungssport getrieben werden, wenn es alleine auf Bewegung ankommt.

Ein ebenso wichtiger Aspekt ist die Vermittlung der Mathematik und Naturwissenschaften. Es sollte vermittelt werden, dass diese ebenso wie Literatur eine Kulturleistung darstellen und entsprechend zu würdigen sind.

Auch diese Fächer sollten eine praktische Komponente enthalten. So sollten Schüler*innen die Möglichkeit haben ihr erlerntes Wissen praktisch in selbst gewählten produktiven Projekten (Ergebnisse sind nicht rein didaktisch) anzuwenden und somit bspw. Probleme durch innovative Lösungen zu beheben. Vielleicht werden dadurch auch Probleme gelöst, die in der Regierungsinteraktionsplattform gemeldet wurden.

Ein weiterer Aspekt befasst sich mit politischem Handeln. Diesem Aspekt ist die Geschichte ebenso wie der Politikunterricht zugeordnet. Im Rahmen des Politikunterrichts sollten wo möglich Parlamentssitzungen besucht werden. Ebenfalls sollte es Workshops geben, in denen Schüler*innen ihre Visionen für die Zukunft erarbeiten können. Insgesamt soll vermittelt werden, dass Politik wichtig ist und die Beteiligung einen Einfluss hat und auch Spaß machen kann.

Der Geschichtsunterricht soll die Schüler*innen in die Position versetzen verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen und diese in den historischen Kontext einordnen zu können. Dabei ist vor allem auch die Geschichte der Bürgerrechtsbewegungen weltweit zu zeigen.

Im Wirtschaftsunterricht, der ebenfalls zu diesem Aspekt gehört, sollen den Schüler*innen die Grundzüge der Wirtschaft vermittelt werden. Im Rahmen des Unterrichts soll gezeigt werden, welche Entwicklungen es in der Wirtschaft in der Menschheitsgeschichte gab und welche Wirtschaftspolitik sich als katastrophal erwiesen hat.

Das politische Engagement von Schülerinnen neben der Schule in den Schulgremien oder der Schülerinnenvertretung als auch in den Jugendorganisationen der Parteien sollte gefördert werden.

Der letzte Aspekt befasst sich mit der digitalen Kompetenz. Neben den Grundfertigkeiten im Umgang mit Computern sollten Datenschutz, Privatsphäre und Programmierung ebenso Teil der Schule sein. Die Schülerinnen müssen zu mündigen Bürgerinnen ausgebildet werden und eine souveräne Handhabung von Technologie gehört dazu. Die Befassung der Snowden-Enthüllungen und deren Implikationen für die Gesellschaft sollte ein zentraler Bestandteil sein.

Insgesamt gesehen sollte darauf geachtet werden, dass die Schule Spaß macht und trotz der Pflicht nicht als Belastung angesehen wird. Daher sollte darauf geachtet werden, dass auch noch genügend Freizeit übrig bleibt.

Universitätsbildung

Die Universität setzt am Ende der Schule an, hat aber andere Aufgaben. An der Universität sollten Studierende in die Lage versetzt werden mittels wissenschaftlicher Methodik und weitergehender Kenntnis der studierten Fächer die realen Probleme der Gesellschaft zu lösen.

Das Fachstudium sollte Grundkenntnisse vermitteln und darüber hinaus zu großem Teil aus Projektstudium bestehen. Das Ziel ist die Aneignung von Wissen im Kontext der realen Anwendung in der Gesellschaft. Dabei sollte es im Projektstudium nicht um Noten und die Erreichung von Creditpoints, sondern um die Lösung von Problemen gehen. Am Beispiel der Informatik kann das z.B. die Entwicklung einer interaktiven Korruptionswebsite sein, die anhand von verfügbaren Informationen auf einer Karte zeigt, in welchen Regionen es besonders viel Korruption gibt. Mit Klick auf die Region würde sich eine Detailseite mit den zugrundeliegenden Quellen und der Begründung für die Einschätzung öffnen.

Interdisziplinäre Projekte sollen dabei besonders gefördert werden. Die in der Regierungsinteraktionsplattform gesammelten Probleme können eine Anregung liefern, mit welchen Themen man sich in diesen Projekten beschäftigt. Auch die Erforschung von unbekannten Zusammenhängen ist eine gute Angelegenheit.

Eine derartige Beschäftigung mit den Schlüsselproblemen der Gesellschaft hilft auch der Wirtschaft, weil dadurch die Studierenden essentielle Kompetenzen entwickeln, um auch dort über Disziplingrenzen hinweg an Projekten zu arbeiten oder gar selber Unternehmen zur Lösung von Problemen zu gründen.

Neben dem Fachstudium sollte auch ein Studium Generale Bestandteil des Studiums sein. In diesem sollten ergänzend zur Schulbildung die Grundlagen für die Teilnahme an der Gesellschaft geschaffen werden. Zentral dafür ist die Vermittlung der wissenschaftlichen Grundlagen für die Geschehnisse der Welt. Das beinhaltet also Ethik, politische und philosophische Grundlagen ebenso wie eine grundlegende Kenntnis über Klimawissenschaft, Informatik und Physik. Nur ein grundlegendes Verständnis über die Weltsicht von unterschiedlichen Disziplinen heraus wird den Studierenden ermöglichen sich selbst in Beziehung zu den Geschehnissen der Welt zu setzen und sich als handelnde Subjekte wahrzunehmen.

Ein Studium Generale, welches den gesamten MINT-Bereich als unnötig erachtet, ist eben kein Studium Generale. Allgemein sollte die Erkenntnis reifen, dass die Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und ihre Erkenntnisse - bei allen vorhandenen Mängeln - der Menschheit große Dienste erwiesen haben. Sie haben überhaupt erst die Idee einer weltweit agierenden Menschheit möglich gemacht. Nur durch diese Wissenschaften und ihre Errungenschaften ist es überhaupt möglich die Überwindung von Nationalstaaten als praktisch umsetzbar zu betrachten.

Dem Ziel einer Entmilitarisierung verpflichtet sollen Universitäten Orte der Völkerverständigung und nicht der Rüstungsforschung sein. Daher sind alle eindeutigen Waffen- und Rüstungsforschungen zu unterlassen und dies durch eine Zivilklausel abzusichern.

Finanzierung

Sowohl Schulen als auch Universitäten sollten die notwendige Finanzierung für diese Aufgaben erhalten.

Zusammenfassung

Zusammengefasst ergeben sich diese Forderungen für den Schulbereich:

  • Englisch ab der 3. Klasse
  • Neugierde fördern und nicht bekämpfen
  • individuelle Förderung und Eingehen auf unterschiedliche Lerntypen
  • praktischer Englischunterricht (u.a. Filme ansehen ohne Analyse und Bewertung)
  • Vermittlung von literarischer Kultur
  • Kunst-, Musik- und Sportunterricht ohne Leistungsdruck
  • mehr Fokus auf Kunst- und Musikgeschichte und -kultur
  • Kreativzeiten im Kunst- und Musikunterricht ohne Ergebnisdruck
  • freie Auswahl eines zu erlernenden Musikinstruments
  • mehr Fokus auf Bewegung und weniger auf Leistungssport im Sportunterricht
  • optionale Leistungskurse in Kunst, Musik und Sport für Begabte
  • Vermittlung von Mathe und Naturwissenschaften
    • diese stellen auch Kulturleistung dar, entsprechende Würdigung
  • praktische Komponente auch bei diesen Fächern
    • Projekte mit potentieller Lösung von realen Problemen
  • politisches Handeln als Lehraspekt
    • Geschichtsunterricht, der auch Bürgerrechtsbewegungen thematisiert
    • Politikunterricht mit u.a. Workshops zur Erarbeitung von Visionen und Besuch von Parlamentssitzungen
    • Wirtschaftsunterricht mit Geschichte von Wirtschaft und Aufklärung über schädliche Wirtschaftspolitik
    • Förderung von politischem Engagement
  • digitale Kompetenz als Lehraspekt
    • Grundfertigkeiten im Umgang mit Computern
    • Datenschutz und Privatsphäre
    • Programmieren
  • genügend Freizeit, Schule soll Spaß machen

Es ergeben sich diese Forderungen für den Bereich der Universitäten:

  • großer Teil an Projektstudium
    • Lösung von realen Problemen in der Welt
  • Förderung von interdisziplinären Projekten
  • Studium Generale
    • Vermittlung von (wissenschaftlichen) Grundkenntnissen in Ethik, Politik, Philosophie, Informatik, Klimawissenschaft und Physik
  • Zivilklausel

Insgesamt ergibt sich die Forderung nach einer bedarfsgerechten Ausfinanzierung.

Steuer- und Finanzpolitik

Kommen wir zur Steuer- und Finanzpolitik.

  • mehr Steuerfahnder
  • Steueroasen austrocknen
  • Geld nach Hause bringen und Steuerschlupflöcher rigoros schließen
  • Steuerhinterziehung radikal verfolgen mit drakonischen Strafen (über 50% des unversteuerten oder unterversteuerten Geldes wird eingezogen)
  • Firmen, die Steuern hinterziehen, bekommen keine staatliche Förderung (mehr), werden nicht für Ausschreibungen berücksichtigt und erscheinen auf einer Liste der Unternehmen, die mittelbar die Bürger*innen um Geld betrügen
  • stärkere Bankenaufsicht
  • Finanztransaktionssteuer
  • Finanzwirtschaft muss wieder Dienstleister der produzierenden Wirtschaft werden

Klimapolitik

  • 5% der Profite aller großen DAX-Unternehmen (Top 50-100) gehen in einen Fond

  • der finanziert Innovationsprojekte für saubere Energie (u.a. neuartige Speichertechniken, Transporttechnologien, effiziente Energiegewinnung) und soll bezahlbare Technologien hervorbringen

  • 5% der Profilte aller großen DAX-Unternehmen (Top 50-100) gehen in einen Fond

  • dieser wird zur Bekämpfung von Klima-Altlasten verwendet (Rückbau von Atomkraftwerken, Dekontamination von verseuchten Böden, Einbau von Filterung in bestehende klimaschädliche Anlagen, etc.)

  • diese beiden Punkte gelten bis keine fossile Energie mehr produziert wird bzw. alle Altlasten beseitigt sind

  • es erzeugt daher einen Anreiz möglichst innovativ zu sein, um den Zeitraum schnell zu erreichen

  • Umsetzung des Klimaabkommens von Paris und Übertreffen der Commitments

  • Streichung aller Subventionen an Unternehmen, die fossile Brennstoffe produzieren

  • kein Fracking erlauben

  • Kohle-Steuer einführen, die die Umweltzerstörung durch fossile Brennstoffe einpreist und somit angesichts der (zu erwartenden) Klimaschäden zu einem faireren Wettbewerb führt