\documentclass[10pt,a4paper,oneside,ngerman,numbers=noenddot]{scrartcl} \usepackage[T1]{fontenc} \usepackage[utf8]{inputenc} \usepackage[ngerman]{babel} \usepackage{amsmath} \usepackage{amsfonts} \usepackage{amssymb} \usepackage{bytefield} \usepackage{paralist} \usepackage{gauss} \usepackage{pgfplots} \usepackage{textcomp} \usepackage[locale=DE,exponent-product=\cdot,detect-all]{siunitx} \usepackage{tikz} \usepackage{algpseudocode} \usepackage{algorithm} \usepackage{mathtools} \usepackage{hyperref} \usepackage[german=quotes]{csquotes} %\usepackage{algorithmic} %\usepackage{minted} \usetikzlibrary{automata,matrix,fadings,calc,positioning,decorations.pathreplacing,arrows,decorations.markings} \usepackage{polynom} \polyset{style=C, div=:,vars=x} \pgfplotsset{compat=1.8} \pagenumbering{arabic} %\def\thesection{\arabic{section})} %\def\thesubsection{(\alph{subsection})} %\def\thesubsubsection{(\roman{subsubsection})} \makeatletter \renewcommand*\env@matrix[1][*\c@MaxMatrixCols c]{% \hskip -\arraycolsep \let\@ifnextchar\new@ifnextchar \array{#1}} \makeatother \parskip 12pt plus 1pt minus 1pt \parindent 0pt \DeclarePairedDelimiter\abs{\lvert}{\rvert}% \DeclarePairedDelimiter{\ceil}{\lceil}{\rceil} \newenvironment{myitemize}{\begin{itemize}\itemsep -9pt}{\end{itemize}} % Zeilenabstand in Aufzählungen geringer %switch starred and non-starred (auto-size) \makeatletter \let\oldabs\abs \def\abs{\@ifstar{\oldabs}{\oldabs*}} \makeatother \hypersetup{ colorlinks, citecolor=black, filecolor=black, linkcolor=black, urlcolor=black } \MakeOuterQuote{"} \begin{document} \author{Jim Martens (6420323)} \title{Vorlesung Religiöse Konflikte im Mittelalter} \subtitle{Essay zu Mönchswesen und Klöstern} \date{1. Dezember 2018} \maketitle \section{Konfliktlösung der Gegenwart} Heutzutage werden unterschiedliche Meinungen in Demokratien gesetzlich geschützt. Auch die öffentliche Verneinung der Existenz einer wie auch immer gestalteten höheren Instanz ist möglich ohne Repression durch den Staat zu erfahren. Die institutionelle Repression von Religionen beschränkt sich auf rein religiöse Repressionen für Menschen, welche dieser Religion angehören. Der Papst kann weiterhin Katholiken exkommunizieren und sie von religiösen Handlungen ausschließen. Allerdings hat diese Exkommunikation keinerlei weltliche Bewandnis mehr und exkommunizierte Menschen könnten in der Theorie problemlos staatliche Ämter bekleiden. Der Prozess für Streitigkeiten ist ebenfalls klar geregelt in Form einer Zivil- und Strafprozessordnung im Rahmen einer unabhängigen Justiz. Ebenso gelten Menschenrechte auch in Klöstern und Misshandlungen auch im Rahmen religiöser Kontexte werden vor weltlichen Gerichten verhandelt. Der blutige Konflikt verschiedener Konfessionen innerhalb des Christentums ist ebenso beigelegt und es gibt regelmäßig ökumenische Gottesdienste. Selbstredend beziehe ich mich hier auf eine rechtsstaatliche Demokratie wie Deutschland. Auch ist dies der Idealfall. Die Missbrauchsskandale zeigen, dass wir auch hier von einem Idealzustand noch entfernt sind und die Positionen der katholischen Kirche zu Abtreibung und Homosexualität stellen einen modernen Konflikt dar zwischen weltlichem Verfassungsrecht wie den Menschenrechten auf der einen Seite und religiösen Überzeugungen auf der anderen Seite. Eine Auflösung dieses Konfliktes ist bislang nicht absehbar. Aufgrund von weiterhin bestehender Einwirkung gerade der katholischen Positionen auf die Politik hat diese Position auch einen Einfluss auf Menschen, welche nicht der katholischen Kirche angehören. Selbst der "Reform-Papst" Franziskus vermag dies nicht zu lösen. Denn hier geht es um die grundlegenden Lehren der Kirche, welche wenn überhaupt auf den Synoden/Konzilen überarbeitet werden können. Diese sehen aber (meines Wissens nach) bis heute keinen geregelten Prozess zur Überwindung von Konflikten vor. Im Zweifel wird es immer einige machtvolle Personen in der Kirche gegen Abtreibung und Homosexualität geben. In diesen Fällen ist ein Konsens also schwer möglich. \section{Mönchskonflikte} Asketische Lebensformen gab es bereits in der Antike. Ein Mönchtum entwickelte sich erst im 4. Jahrhundert. Dabei zogen sich Menschen bspw. in die Wüste zurück, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Diese Art des Mönchtums war sehr egoistisch geprägt und es ging weniger darum für das Wohl anderer Menschen zu sorgen. Die monastische Lebensform begeisterte viele Leutes, sodass sich Einsiedlerkolonien bildeten. Aus diesen Kolonien entstand die Notwendigkeit einer Führungsperson. Mangels einer wirklichen beschlossenen Ordnung des Zusammenlebens wird dies mit Sicherheit zu dem einen oder anderen Konflikt geführt haben. Im weiteren Verlauf entstanden dann Klöster, bei denen es vielmehr um ein kollektives Leben geht. Dort gab es dann eine klare Hierarchie mit dem Abt bzw. der Äbtissin, welche nahezu absolute Kontrolle über die Mönche in ihrer Aufsicht hatten. Die Mönche dort befanden sich fast immer in der Gemeinschaft, hatten einen strikten Zeitplan und es muss eine nahezu militärische Disziplin vorgeherrscht haben. Beide Formen des Mönchtums begannen in Ägypten noch zu Zeit der Herrschaft des (west)römischen Reiches. Das christliche Mönchtum breitete sich fortan im Herrschaftsbereich des römischen Reiches aus. Es sind ebenso römische Berichte zu finden, welche abfällig über Einsiedler berichten. Im Widerspruch zu diesen Mönchsformen bildete sich auch eine Art Salonaskese, wo zwar auf Wiederheirat und Unterhaltung verzichtet wird, ansonsten aber ein annehmbarer Lebensstil geführt wird. Die Klöster bestanden weitgehend autark und das inkludiert die kirchlichen Hierarchien. Diese Unabhängigkeit hat nicht selten zu Konflikten mit den religiösen Autoritäten geführt. Zu dieser Zeit gibt es noch keine Ordnen, nur einzelne Klöster und Klöstergruppen. Regeltexte gab es ebenfalls noch nicht und Anweisungen wurden einzeln gegeben. Idealerweise richteten sich die Anweisungen dabei an den individuellen Fähigkeiten aus. Mit der Zeit wurde dann die Benediktregel entworfen. Diese besagt, dass bei Fehlverhalten der Abt entscheiden müsse, wie interveniert wird. Dies könne bspw. das Überzeugen der fehlerhaft handelnden Person sein, aber auch die Bestrafung dieser. Der Regeltext ist allerdings so allgemein gehalten, dass die tatsächlichen Abläufe im Kloster sich daraus nicht ergeben. Es ist jedoch sehr klar, dass der Abt die absolute Schlüsselstellung inne hat. Ihm ist die Fürsorge der Untergebenen zugeteilt, ebenso eine hohe Straf- und Normierungsgewalt. Er ist zugleich Stellvertreter Christi bzw. Gottes, übt ein Regime von Überwachung und Strafen aus und soll regelmäßig überprüfen, dass Mönche kein Privateigentum haben, außer Dinge, welche ihnen vom Abt gegeben wurden. Aus dieser starken Machtposition ergeben sich einige mögliche Konflikte. Zwar solle ein Abt vor einer Entscheidung alle anhören, die Entscheidung trifft aber allein der Abt und alle müssen sich unbedingt daran halten. Es ist also gar nicht vorgesehen, dass in einer Art Prozess Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden. Vielmehr gibt es nach Auffassung der Benediktregel gar keine Konflikte, sondern nur Fehlverhalten, welches dann zu sanktionieren sei. Mögliche Sanktionen sind bspw. Ausschluss vom Gebet oder vom Essen. Die sanktionierten Personen sollen sich regelmäßig dem Abt zu Fuße werfen und um Gnade bitten. Weitere Konflikte entstehen dadurch, dass häufig die nicht-erstgeborenen Kinder von Adligen in Klöster gegeben werden, da sie nichts erben und sonst nur ein Machtrisiko für die erbenden Geschwister wären. Diese Übergabe an Klöster kann aber gegen den Willen der Kinder erfolgen. Kann jemand gezwungen werden Mönch zu bleiben, auch wenn keine aktive eigene Entscheidung für das Mönchtum vorlag? Ein gewisser Gottschalk ist aus einem Kloster abgehauen mit der Argumentation, dass er sich nie selbst für das Kloster entschieden habe. Der Abt war anderer Ansicht und ließ Gottschalk durch halb Europa verfolgen. Außerdem stellt sich natürlich die Frage, wie ein Abt zu dieser Position kommt. Dafür ist kein klares Verfahren geregelt. Er solle einmütig von allen gewählt werden, von einer klügeren Minderheit oder von außerhalb ausgewählt werden. Daraus ergeben sich zwangsläufig Konflikte, gerade vor dem Hintergrund, dass Äbte auf Lebenszeit gewählt werden. \section{Konflikte im Kontext} Im größeren Kontext der Entwicklungen des Mittelalters spielen Klöster und somit ihre Konflikte eine zentrale Rolle. Klöster haben Literatur gehütet und verbreitet, waren oftmals die einzigen Orte um das Lesen- und Schreiben zu lernen und konnten als Kollektiv große Reichtümer anhäufen. Mit der Zeit wurden viele Klöster zu Dienstleistern für professionelles Gebet und somit Ziel von großzügigen Spenden. Aufgrund von Unzufriedenheit mit dem Reichtum der Klöster gründeten sich dann auch Orden, die auch für die Gemeinschaft Armut vorschrieben, die sog. Bettelorden. Aufgrund ihrer Autarkie konnten diese Orden auch für die Kirche gefährlich werden, denn qua Definition lebten Mönche das gottgefälligste Leben. Starke Bettelorden widersprachen somit klar und deutlich der gelebten Praxis auch in der katholischen Kirche, welche unzählige Reichtümer anhäufte, jedoch für sich in Anspruch nahm für Gott zu sprechen. Wer war glaubwürdiger? Ein reicher Kardinal mit Ländereien und mächtiger Familie im Hintergrund (z.B. de Medici) oder ein armer Mönch? Diese Situation führte dann auch zu teilweisen Verboten von Bettelorden. Ebenso wurden diese aber auch zeitweise als Machtmittel des Papstes gegen Ortsbischöfe eingesetzt. Anders als die früheren Ordensgemeinschaften ließen sich Bettelorden bevorzugt in Städten nieder und ihre Mitglieder übten dort Priester- und Lehrtätigkeiten aus. \end{document}