\documentclass[10pt,a4paper,oneside,ngerman,numbers=noenddot]{scrartcl} \usepackage[T1]{fontenc} \usepackage[utf8]{inputenc} \usepackage[ngerman]{babel} \usepackage{amsmath} \usepackage{amsfonts} \usepackage{amssymb} \usepackage{bytefield} \usepackage{paralist} \usepackage{gauss} \usepackage{pgfplots} \usepackage{textcomp} \usepackage[locale=DE,exponent-product=\cdot,detect-all]{siunitx} \usepackage{tikz} \usepackage{algpseudocode} \usepackage{algorithm} \usepackage{mathtools} \usepackage{hyperref} \usepackage[german=quotes]{csquotes} %\usepackage{algorithmic} %\usepackage{minted} \usetikzlibrary{automata,matrix,fadings,calc,positioning,decorations.pathreplacing,arrows,decorations.markings} \usepackage{polynom} \polyset{style=C, div=:,vars=x} \pgfplotsset{compat=1.8} \pagenumbering{arabic} %\def\thesection{\arabic{section})} %\def\thesubsection{(\alph{subsection})} %\def\thesubsubsection{(\roman{subsubsection})} \makeatletter \renewcommand*\env@matrix[1][*\c@MaxMatrixCols c]{% \hskip -\arraycolsep \let\@ifnextchar\new@ifnextchar \array{#1}} \makeatother \parskip 12pt plus 1pt minus 1pt \parindent 0pt \DeclarePairedDelimiter\abs{\lvert}{\rvert}% \DeclarePairedDelimiter{\ceil}{\lceil}{\rceil} \newenvironment{myitemize}{\begin{itemize}\itemsep -9pt}{\end{itemize}} % Zeilenabstand in Aufzählungen geringer %switch starred and non-starred (auto-size) \makeatletter \let\oldabs\abs \def\abs{\@ifstar{\oldabs}{\oldabs*}} \makeatother \hypersetup{ colorlinks, citecolor=black, filecolor=black, linkcolor=black, urlcolor=black } \MakeOuterQuote{"} \begin{document} \author{Jim Martens (6420323)} \title{Vorlesung Römische Kaiserzeit} \subtitle{Vorlesungsprotokoll vom 11. Mai 2017} \date{11. Mai 2017} \maketitle \section*{Übersicht} Die römische Sozialstruktur gliedert sich in verschiedene Ebenen. Auf der untersten Ebene finden sich die Sklaven. Darüber stehen die Freigelassenen, gefolgt von den freien Provinzialen. Die Kinder von Freigelassenen sind jedoch römische Bürger und daher freien Provinzialen gegenüber bevorteilt. Auf der nächsten Ebene stehen die römischen Bürger. Über ihnen stehen die Ritter und schließlich die Senatoren. In der Kaiserzeit folgt ganz oben noch der Kaiser. Die soziale Struktur ändert sich im Laufe der Zeit erstaunlich wenig. Trotz zahlreicher politischer Veränderungen bleibt die römische Sozialstruktur von der frühen Republik bis weit in die Kaiserzeit relativ stabil. Diese Stabilität bedeutet aber auch, dass die mit der Struktur verbundenen systematischen Probleme bestehen bleiben. Trotz erheblicher innenpolitischer Konflikte wird das System selber nie in Frage gestellt. Stattdessen werden die Probleme personalisiert auf die aktuell Herrschenden bezogen. \section*{Sklaven} Die Position der Sklaven in der römischen Gesellschaft war nie gut. Allerdings hat sich die Situation in der Kaiserzeit im Vergleich zur späten Republik etwas gebessert. So kommt es im Prinzipat zu weniger Sklavenaufständen als in der späten Republik. Häufiger als ein Aufstand ist die Flucht einzelner Sklaven, was eine neue Berufsgruppe der Sklavenfänger entstehen lässt. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Magistrate und Statthalter entlaufene Sklaven nur halbherzig verfolgen. Die Flucht von Sklaven scheint jedoch ein derartiges Problem zu sein, dass es unter hohe Strafe gestellt wird einem Sklaven zu helfen. Im Jahre 61 wurde der Stadtpräfekt Roms durch einen Sklaven aus seinem Haushalt ermordet. Alle Sklaven des Hauses (rund 400) sollen hingerichtet werden. Dies stößt auch im Senat eine große Diskussion an, da es zum Teil als überzogen angesehen wird. Die Hardliner können sich aber durchsetzen und die 400 Sklaven, darunter Frauen und Kinder, werden hingerichtet. Es kommt nicht zur Ursachenanalyse. Ab Tiberius wird der Stadtpräfekt zur Appellationsinstanz für Sklaven und diese können bei Kaiserstatuen um Asyl bitten und den eigenen Verkauf an einen anderen Herrn erreichen, um sich vor den größten Schikanierungen zu schützen. Hadrian verbannte sogar eine reiche Dame für 5 Jahre aus Rom, weil sie Sklaven misshandelte. Wenn der Herr es zulässt, können Sklaven ein kleines Vermlgen anhäufen (perculium) und sich nach Ersparen der eigenen Kaufsumme freikaufen. Bei einem solchen Freikauf oder der Freilassung durch den Herrn werden die Sklaven zu Freigelassenen (libertus) und sind noch keine römischen Bürger. \section*{Freigelassene} Bei der Freilassung ändert sich das Verhältnis von dominus \(\rightarrow\) servus zu patronus \(\rightarrow\) cliens. Der Patron ist nicht mehr für die Altersvorsorge der Freigelassenen verantwortlich. Daher rechnet es sich durchaus Sklaven freizulassen, da diese einem auf Lebenszeit zu Dank verpflichtet sind, häufig weiter für einen arbeiten und sich meistens längst amortisiert haben. In der Republik gibt es drei Formen von Freilassungen: (1) per Testament, (2) durch Zensus (alle 5 Jahre kann vor dem Zensor freigelassen werden) und (3) fingierter Freilassungsprozess vor einem Magistrat. Im Kaiserreich gibt es zwei weitere Formen: (4) Freilassung unter Freunden (Freunde als Zeugen) und (5) schriftliche Freilassung. Hauptsächlich finden (1), (4) und (5) Anwendung. Die Freigelassenen sind in vielen Bereichen tätig und verewigen ihren Aufstieg in Inschriften. Der Leistungsgedanke ist für sie zentral. Denn nach der Freilassung stehen sie unter einem gewissen Legitimationsdruck zu zeigen, dass sie zurecht freigelassen wurden. Die Freilassung wird aber auch als Machtinstrument verwendet, um Sklaven zu Wohlverhalten zu zwingen: Nur gutes Benehmen als Sklave ermöglicht Freilassung und die Freigelassenen sind ihrem vormaligen Herrn zu Dank verpflichtet. Freigelassene sind in den collegia - den Berufsgemeinschaften - aktiv und konkurrieren bei Reichtum mit den Stadträten um die meisten Stiftungen. Ehrungen bleiben den Freigelassenen jedoch meistens verwehrt. Im Rahmen der collegia bekommen sie jedoch Ehrenstatuen. Unter Claudius regierten sogar Freigelassene. Für den Kaiser waren sie zudem nützlich, da es am Hof des Kaisers keine Lobby für sie gab. Im Verlauf des Kaiserreichs stammen viele Ritter und Senatoren von Freigelassenen ab. In Rom stellen sie die Polizei und die Feuerwehr. \section*{Leben in den Provinzen} Um 14 n.Chr. beträgt die Gesamtbevölkerung des Reiches knapp 60 Millionen. Der Großteil der Bevölkerung lebt in Asien, Syrien, Palästina und Ägypten. Im westlichen Teil des Reichs lebt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Dort bedeutet Romanisierung also im wesentlichen Urbanisierung. Insgesamt sind nur knapp 5 Millionen freie römische Bürger. Der überwiegende Teil der Bevölkerung sind demnach freie Provinziale (peregrini). Diese Gruppe ist sehr heterogen und die Rechte und Pflichten der Provinzialen ergeben sich aus den Rechtsverfassungen ihrer Heimatstädte. Es gibt Kolonien und Municipia mit jeweils römischen oder latinischem Recht. Dann gibt es einheimische Städte, die sich in freie Städte ohne Steuerpflicht, föderale Städte und steuerpflichtige Städte unterteilen. In latinischen Siedlungen gibt es das römische Bürgerrecht nur für Menschen in politischen Ämtern. Oft bestimmen die einheimischen Kulturen das Alltagsleben und die Statthalter sind nur für Streitschlichtung zuständig. Die Eingriffe der römischen Provinzialverwaltung beschränken sich auf ein absolutes Minimum, weil ein größeres Engagement mangels effizienter Verwaltungsstrukturen schlicht nicht möglich war. Alte Stammes- und Stadtverfassungen bleiben in den einheimischen Städten in Kraft. In religiösen Fragen mischt sich der römische Staat nicht ein. Die Aufgaben der Statthalter beschränken sich auf die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, dem Schutz von Leben und Eigentum (Schutz der Eliten) und die Garantie der Funktion der lokalen Selbstverwaltung und Rechtsprechung. Einheimische Sprachen bestehen ebenso weiter. In der Spätantike wurde am Kaiserhof in Trier noch Keltisch gesprochen. In Syrien und Palästina wurde von der Oberschicht Griechisch und von dem allgemeinen Volk Aramäisch gesprochen. In Afrika ist Punisch weiterhin in aktiver Benutzung. Mehrsprachigkeit war demnach ein häufigeres Phänomen als in der Neuzeit. Von 600 Senatoren war nur ein kleiner Teil in den Provinzen. Dazu kommen einige Tausend Ritter und die Stadträte, welche zusammen für die gesamte Verwaltung zuständig waren. Erst Diocletian bläht die Verwaltung auf, was jedoch auch wieder Nachteile mit sich bringt. Im gesamten Reichsgebiet gibt es also nur eine dünne Suprastruktur, die alles zusammenhält. Und diese Struktur löst sich in der sog. Völkerwanderung auf. \end{document}