From 9d92c7e11ca1d555619fef83b716adcd82788c7a Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Jim Martens Date: Sun, 21 May 2017 14:39:14 +0200 Subject: [PATCH] [Geschichte] Sitzungsprotokoll vom 17.5. ausformuliert Signed-off-by: Jim Martens --- ...tzungsprotokoll-20170517-lateinamerika.tex | 182 ++++++++++++++++++ 1 file changed, 182 insertions(+) create mode 100644 geschichte/sitzungsprotokoll-20170517-lateinamerika.tex diff --git a/geschichte/sitzungsprotokoll-20170517-lateinamerika.tex b/geschichte/sitzungsprotokoll-20170517-lateinamerika.tex new file mode 100644 index 0000000..d17bace --- /dev/null +++ b/geschichte/sitzungsprotokoll-20170517-lateinamerika.tex @@ -0,0 +1,182 @@ +\documentclass[10pt,a4paper,oneside,ngerman,numbers=noenddot]{scrartcl} +\usepackage[T1]{fontenc} +\usepackage[utf8]{inputenc} +\usepackage[ngerman]{babel} +\usepackage{amsmath} +\usepackage{amsfonts} +\usepackage{amssymb} +\usepackage{bytefield} +\usepackage{paralist} +\usepackage{gauss} +\usepackage{pgfplots} +\usepackage{textcomp} +\usepackage[locale=DE,exponent-product=\cdot,detect-all]{siunitx} +\usepackage{tikz} +\usepackage{algpseudocode} +\usepackage{algorithm} +\usepackage{mathtools} +\usepackage{hyperref} +\usepackage[german=quotes]{csquotes} +%\usepackage{algorithmic} +%\usepackage{minted} +\usetikzlibrary{automata,matrix,fadings,calc,positioning,decorations.pathreplacing,arrows,decorations.markings} +\usepackage{polynom} +\polyset{style=C, div=:,vars=x} +\pgfplotsset{compat=1.8} +\pagenumbering{arabic} +%\def\thesection{\arabic{section})} +%\def\thesubsection{(\alph{subsection})} +%\def\thesubsubsection{(\roman{subsubsection})} +\makeatletter +\renewcommand*\env@matrix[1][*\c@MaxMatrixCols c]{% + \hskip -\arraycolsep + \let\@ifnextchar\new@ifnextchar + \array{#1}} +\makeatother +\parskip 12pt plus 1pt minus 1pt +\parindent 0pt + +\DeclarePairedDelimiter\abs{\lvert}{\rvert}% +\DeclarePairedDelimiter{\ceil}{\lceil}{\rceil} + +\newenvironment{myitemize}{\begin{itemize}\itemsep -9pt}{\end{itemize}} % Zeilenabstand in Aufzählungen geringer + +%switch starred and non-starred (auto-size) +\makeatletter +\let\oldabs\abs +\def\abs{\@ifstar{\oldabs}{\oldabs*}} +\makeatother + +\hypersetup{ + colorlinks, + citecolor=black, + filecolor=black, + linkcolor=black, + urlcolor=black +} + +\MakeOuterQuote{"} + +\begin{document} +\author{Jim Martens (6420323)} +\title{Vorlesung Geschichte der Lateinamerikanerinnen und Lateinamerikaner} +\subtitle{Vorlesungsprotokoll vom 17. Mai 2017} +\date{17. Mai 2017} +\maketitle + +\section*{Geschichte der Sklaverei} + +Kolumbus hat den Aufbau von Handel zum Ziel. Entsprechend werden die gefundenen +Gebiete als reich beschrieben. Die Karibik ist für Spanien im 15. Jahrhundert +jedoch nahezu uninteressant. Die einheimische Bevölkerung stirbt aufgrund der +aus Europa mitgebrachten Krankheiten fast vollständig aus. Auf dem Festland +ist die Situation jedoch eine andere. Dort gibt es Gold und Silber, welche +dann auch der Grund für die Kolonialisierung Südamerikas waren. Nach einer Weile +wird Zucker entdeckt. Dieser Fund ändert die Geschichte Amerikas grundlegend. +Denn Zucker ist quasi weißes Gold, da es zur damaligen Zeit nur sehr wenige +aus Europa bekannte Zuckeranbaugebiete gab. Zucker war also wertvoll. + +Es gab jedoch das Problem, dass in den Gebieten, wo einheimische Bevölkerung +überlebte, kein Zucker angebaut werden konnte und in den Zuckeranbaugebieten +keine Bevölkerung mehr lebte. Für den Anbau wurden also Menschen benötigt. In +Europa gab es damals kaum "verfügbare" Menschen. Die Lösung aus Sicht der +Kolonialmächte waren Sklaven aus Afrika. Die Sklaven wurden nur zur Produktion +von lukrativen Produkten verwendet. Das ging sogar so weit, dass auf einigen +Karibikinseln ausschließlich Zucker angebaut wurde und die Nahrung für u.a. die +Sklaven importiert werden musste. Der Fund von Zucker war demnach der Startpunkt +des Sklavenhandels. + +Über die Dauer des Sklavenhandels kommen insgesamt rund 9,5 Millionen Sklaven +vom 16. bis 19. Jahrhundert nach Amerika. Dabei kommen die meisten Sklaven im +18. und 19. Jahrhundert. Zur Zeit der Aufklärung in Europa gibt es also die +Hochphase des Sklavenhandels. Lediglich während der französischen Revolution +wurde unter der Herrschaft Robespierres der Sklavenhandel Frankreichs kurzfristig +ausgesetzt. Die erste Abschaffung des Sklavenhandels geht nicht von Aufklärern aus, +sondern von einer Sklavenerhebung in Haiti. Ebenso sind die religiösen +Fundamentalisten gegen den Sklavenhandel und setzen sich im frühen 19. Jahrhundert +gegen die vernünftigen und rationalen Menschen in Europa durch. + +Im britischen Nordamerika kommen "nur" 361.000 Sklaven an, was ungefähr 3\% der +gesamten Menge aus dem Sklavenhandel sind. In der Karibik landen knapp 34-40\%. +Die Karibik ist jedoch ein schlechter Ort zum Leben - für Sklaven und Europäer +gleichermaßen. Die Mortalitätsrate der Sklaven dort ist sehr hoch. Ein ähnlich +großer Teil der Sklaven kommt nach Brasilien. Die Mortalitätsrate von Sklaven +und Europäern ist in Brasilien nicht ganz so hoch wie in der Karibik, aber +deutlich höher als in den USA. + +Das Ende der Sklaverei erfolgte in einem dreistufigen Verfahren. Zunächst wurde +der atlantische Sklavenhandel beendet. Darauf folgte das Ende der Vererbung von +Sklaverei und schließlich die gänzliche Abschaffung derselben. Der atlantische +Sklavenhandel bricht weitestgehend zusammen als das britische Parlament beschließt, +dass die Royal Navy in brasilianische Häfen einfahren darf, um den Handel zu +stoppen. Diese Drohung reicht aus, damit Brasilien den Handel einstellt. In Folge +dessen steigen zunehmend Länder aus dem Handel aus. + +Mit dem Ende des Sklavenhandels verringert sich die Anzahl der Sklaven in Kuba +und Brasilien, da aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate und ohne externen Nachschub +kein nachhaltiges Wachstum möglich ist. Ganz anders in den USA: Obwohl der +atlantische Sklavenhandel relativ früh beendet wird, kann sich die Sklaverei +noch sehr lange halten. Dies liegt an den guten materiellen Bedingungen und damit +einem Wachstum der Anzahl der Sklaven durch Geburt, sowie einer Staatlichkeit, +welche die Sklaverei durchsetzen kann. + +Die letztendliche Abschaffung erfolgt erst nach dem Bürgerkrieg, der sich um +die Frage drehte, ob die USA ein Bundesstaat oder ein Staatenbund sind und ob +demnach die Sklaverei auf Bundesebene abgeschafft werden kann. Vor Beginn des +Bürgerkriegs gibt es jahrzehntelang Propaganda gegen die Sklaverei. Die Frage +der Sklaverei war denn auch eine große Diskussion in der US-amerikanischen +Öffentlichkeit. Ein Teil der Bewegung gegen die Sklaverei waren die sog. +slave narratives. + +\section*{Slave narratives} + +Die slave narratives sind buchlange Erzählungen des eigenen Lebens. Ihre Ursprünge +liegen in den captivity-narratives und der Erlösungsliteratur. Sie treten +hauptsächlich im 19. Jahrhundert auf, hatten aber auch schon Vorläufer im 18. +Jahrhundert. Berühmte slave narratives sind z.B. "Twelve Years a Slave" von +Solomon Northup aus dem Jahr 1853, "A Narrative of the life of Frederick Douglass, +an American Slave" von Frederick Douglass aus dem Jahr 1845 sowie "Incidents in +the Life of a Slave Girl" von Harriet Jacobs aus dem Jahr 1861. Kein eigentlicher +slave narrative war "Uncle Tom's Cabin" von Harriet Beecher Stove aus dem Jahr +1852. Dieser Roman war jedoch DER Anti-Sklaverei-Roman des 19. Jahrhunderts. + +Bei einem slave narrative ist ein (Ex-)Sklave die erzählende Person. Die vermittelte +Botschaft ist, dass ein Sklave ein Mensch und Autor seines Lebens ist. Ebenfalls +zeigen diese narratives, dass sich Sklaven bilden können und Sklaverei daher +moralisch schlecht und unnatürlich ist. Häufige Vorkommnisse in diesen Erzählungen +sind die Trennung von Mutter und Kindern, die Trennung von Eheleuten, +ungerechtfertigte Bestrafungen und der moralische Verfall der Herren. Die +narratives zeigen in der Essenz die Menschlichkeit der Sklaven. + +Diese slave narratives gibt es in der Form nur aus den USA. Die feste +Institutionalisierung der Sklaverei in den USA ist der Hauptgrund für ihre Existenz. +Denn mit ihnen soll eine Debatte über die Sklaverei und mittels der Debatte eine +politische Mehrheit zur Abschaffung der Sklaverei organisiert werden. + +In Lateinamerika entsteht eine solche Debatte nicht, da sich die Eliten dort +einig sind, dass die Sklaverei abgeschafft gehört. Auch das Genre der slave +narratives ensteht in Lateinamerika nicht. Lediglich drei Werke kommen in die +Nähe dieser slave narratives. "El Cimarron" soll über das Leben des Esteban Montejo +handeln. Die Geschichte passt jedoch sehr in die Erzählung der kubanischen +Revolution. Das Werk "Biography" soll von dem Sklaven Mahommah Gardo Baquaqua +handeln. Es wurde jedoch von US-Amerikanern für ein US-amerikanisches Publikum +erstellt und basiert lediglich auf Unterhaltungen mit Baquaqua. + +Das dritte +Werk wurde von Juan Francisco Manzano verfasst und kommt den slave narratives +ein wenig nahe. Es wurde von einem kubanischen Sklaven geschrieben, welcher +seit seiner Jugend Gedichte schrieb. Das Verfassen der Autobiografie war die +Voraussetzung dafür, dass del Monte ihn freikaufte. Das Werk ist sehr nah an +der Sprechfassung und wurde 1840 zunächst auf Englisch in London veröffentlicht. +Die Erstveröffentlichung war also kein Text für Kuba. Es wird ebenfalls vermutet, +dass nur ein Teil der Autobiografie erhalten blieb, da diese nur 45-50 Seiten +ausmacht. Thematisch wird eine gute Herrin beschrieben, die eines Tages stirbt. +Der neue Herr ist die Ursache für viele grausame Strafen. Ebenfalls wird die +besondere Rolle der Mutter beschrieben. + +Aktuell gibt es drei Fassungen des Werkes: "Autiobiografie de un esclavo", welche +1975 in Madrid publiziert wurde, "The autobiography of a slave" aus Detroit im Jahr +1996 und die jüngste Fassung aus dem Jahr 2007. Man kann sagen, dass Manzano neu +entdeckt wurde. + +\end{document}