From 449d9aee3e755bcaac952e31d215be87c4becfcc Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Jim Martens Date: Sun, 14 May 2017 14:03:58 +0200 Subject: [PATCH] [Geschichte] Protokoll vom 11. Mai zu Rom ausformuliert Signed-off-by: Jim Martens --- geschichte/sitzungsprotokoll-20170511-rom.tex | 187 ++++++++++++++++++ 1 file changed, 187 insertions(+) create mode 100644 geschichte/sitzungsprotokoll-20170511-rom.tex diff --git a/geschichte/sitzungsprotokoll-20170511-rom.tex b/geschichte/sitzungsprotokoll-20170511-rom.tex new file mode 100644 index 0000000..fe520d2 --- /dev/null +++ b/geschichte/sitzungsprotokoll-20170511-rom.tex @@ -0,0 +1,187 @@ +\documentclass[10pt,a4paper,oneside,ngerman,numbers=noenddot]{scrartcl} +\usepackage[T1]{fontenc} +\usepackage[utf8]{inputenc} +\usepackage[ngerman]{babel} +\usepackage{amsmath} +\usepackage{amsfonts} +\usepackage{amssymb} +\usepackage{bytefield} +\usepackage{paralist} +\usepackage{gauss} +\usepackage{pgfplots} +\usepackage{textcomp} +\usepackage[locale=DE,exponent-product=\cdot,detect-all]{siunitx} +\usepackage{tikz} +\usepackage{algpseudocode} +\usepackage{algorithm} +\usepackage{mathtools} +\usepackage{hyperref} +\usepackage[german=quotes]{csquotes} +%\usepackage{algorithmic} +%\usepackage{minted} +\usetikzlibrary{automata,matrix,fadings,calc,positioning,decorations.pathreplacing,arrows,decorations.markings} +\usepackage{polynom} +\polyset{style=C, div=:,vars=x} +\pgfplotsset{compat=1.8} +\pagenumbering{arabic} +%\def\thesection{\arabic{section})} +%\def\thesubsection{(\alph{subsection})} +%\def\thesubsubsection{(\roman{subsubsection})} +\makeatletter +\renewcommand*\env@matrix[1][*\c@MaxMatrixCols c]{% + \hskip -\arraycolsep + \let\@ifnextchar\new@ifnextchar + \array{#1}} +\makeatother +\parskip 12pt plus 1pt minus 1pt +\parindent 0pt + +\DeclarePairedDelimiter\abs{\lvert}{\rvert}% +\DeclarePairedDelimiter{\ceil}{\lceil}{\rceil} + +\newenvironment{myitemize}{\begin{itemize}\itemsep -9pt}{\end{itemize}} % Zeilenabstand in Aufzählungen geringer + +%switch starred and non-starred (auto-size) +\makeatletter +\let\oldabs\abs +\def\abs{\@ifstar{\oldabs}{\oldabs*}} +\makeatother + +\hypersetup{ + colorlinks, + citecolor=black, + filecolor=black, + linkcolor=black, + urlcolor=black +} + +\MakeOuterQuote{"} + +\begin{document} +\author{Jim Martens (6420323)} +\title{Vorlesung Römische Kaiserzeit} +\subtitle{Vorlesungsprotokoll vom 11. Mai 2017} +\date{11. Mai 2017} +\maketitle + +\section*{Übersicht} + +Die römische Sozialstruktur gliedert sich in verschiedene Ebenen. Auf der +untersten Ebene finden sich die Sklaven. Darüber stehen die Freigelassenen, +gefolgt von den freien Provinzialen. Die Kinder von Freigelassenen sind jedoch +römische Bürger und daher freien Provinzialen gegenüber bevorteilt. +Auf der nächsten Ebene stehen die römischen Bürger. Über ihnen stehen die +Ritter und schließlich die Senatoren. In der Kaiserzeit folgt ganz oben noch +der Kaiser. + +Die soziale Struktur ändert sich im Laufe der Zeit erstaunlich wenig. Trotz +zahlreicher politischer Veränderungen bleibt die römische Sozialstruktur +von der frühen Republik bis weit in die Kaiserzeit relativ stabil. Diese +Stabilität bedeutet aber auch, dass die mit der Struktur verbundenen +systematischen Probleme bestehen bleiben. Trotz erheblicher innenpolitischer +Konflikte wird das System selber nie in Frage gestellt. Stattdessen werden +die Probleme personalisiert auf die aktuell Herrschenden bezogen. + +\section*{Sklaven} + +Die Position der Sklaven in der römischen Gesellschaft war nie gut. Allerdings +hat sich die Situation in der Kaiserzeit im Vergleich zur späten Republik +etwas gebessert. So kommt es im Prinzipat zu weniger Sklavenaufständen als +in der späten Republik. Häufiger als ein Aufstand ist die Flucht einzelner +Sklaven, was eine neue Berufsgruppe der Sklavenfänger entstehen lässt. +Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Magistrate und Statthalter +entlaufene Sklaven nur halbherzig verfolgen. +Die Flucht von Sklaven scheint jedoch ein derartiges Problem zu sein, dass +es unter hohe Strafe gestellt wird einem Sklaven zu helfen. + +Im Jahre 61 wurde der Stadtpräfekt Roms durch einen Sklaven aus seinem Haushalt +ermordet. Alle Sklaven des Hauses (rund 400) sollen hingerichtet werden. Dies +stößt auch im Senat eine große Diskussion an, da es zum Teil als überzogen +angesehen wird. Die Hardliner können sich aber durchsetzen und die 400 Sklaven, +darunter Frauen und Kinder, werden hingerichtet. Es kommt nicht zur +Ursachenanalyse. + +Ab Tiberius wird der Stadtpräfekt zur Appellationsinstanz für Sklaven und diese +können bei Kaiserstatuen um Asyl bitten und den eigenen Verkauf an einen anderen +Herrn erreichen, um sich vor den größten Schikanierungen zu schützen. Hadrian +verbannte sogar eine reiche Dame für 5 Jahre aus Rom, weil sie Sklaven +misshandelte. + +Wenn der Herr es zulässt, können Sklaven ein kleines Vermlgen anhäufen (perculium) +und sich nach Ersparen der eigenen Kaufsumme freikaufen. Bei einem solchen +Freikauf oder der Freilassung durch den Herrn werden die Sklaven zu Freigelassenen +(libertus) und sind noch keine römischen Bürger. + +\section*{Freigelassene} + +Bei der Freilassung ändert sich das Verhältnis von dominus \(\rightarrow\) servus +zu patronus \(\rightarrow\) cliens. Der Patron ist nicht mehr für die +Altersvorsorge der Freigelassenen verantwortlich. Daher rechnet es sich durchaus +Sklaven freizulassen, da diese einem auf Lebenszeit zu Dank verpflichtet sind, +häufig weiter für einen arbeiten und sich meistens längst amortisiert haben. + +In der Republik gibt es drei Formen von Freilassungen: (1) per Testament, +(2) durch Zensus (alle 5 Jahre kann vor dem Zensor freigelassen werden) und +(3) fingierter Freilassungsprozess vor einem Magistrat. Im Kaiserreich gibt +es zwei weitere Formen: (4) Freilassung unter Freunden (Freunde als Zeugen) +und (5) schriftliche Freilassung. Hauptsächlich finden (1), (4) und (5) Anwendung. + +Die Freigelassenen sind in vielen Bereichen tätig und verewigen ihren Aufstieg +in Inschriften. Der Leistungsgedanke ist für sie zentral. Denn nach der Freilassung +stehen sie unter einem gewissen Legitimationsdruck zu zeigen, dass sie zurecht +freigelassen wurden. Die Freilassung wird aber auch als Machtinstrument verwendet, +um Sklaven zu Wohlverhalten zu zwingen: Nur gutes Benehmen als Sklave ermöglicht +Freilassung und die Freigelassenen sind ihrem vormaligen Herrn zu Dank verpflichtet. + +Freigelassene sind in den collegia - den Berufsgemeinschaften - aktiv und +konkurrieren bei Reichtum mit den Stadträten um die meisten Stiftungen. Ehrungen +bleiben den Freigelassenen jedoch meistens verwehrt. Im Rahmen der collegia +bekommen sie jedoch Ehrenstatuen. + +Unter Claudius regierten sogar Freigelassene. Für den Kaiser waren sie zudem +nützlich, da es am Hof des Kaisers keine Lobby für sie gab. Im Verlauf des +Kaiserreichs stammen viele Ritter und Senatoren von Freigelassenen ab. In Rom +stellen sie die Polizei und die Feuerwehr. + +\section*{Leben in den Provinzen} + +Um 14 n.Chr. beträgt die Gesamtbevölkerung des Reiches knapp 60 Millionen. +Der Großteil der Bevölkerung lebt in Asien, Syrien, Palästina und Ägypten. +Im westlichen Teil des Reichs lebt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. +Dort bedeutet Romanisierung also im wesentlichen Urbanisierung. Insgesamt +sind nur knapp 5 Millionen freie römische Bürger. Der überwiegende Teil +der Bevölkerung sind demnach freie Provinziale (peregrini). Diese Gruppe +ist sehr heterogen und die Rechte und Pflichten der Provinzialen ergeben sich +aus den Rechtsverfassungen ihrer Heimatstädte. + +Es gibt Kolonien und Municipia mit jeweils römischen oder latinischem Recht. +Dann gibt es einheimische Städte, die sich in freie Städte ohne Steuerpflicht, +föderale Städte und steuerpflichtige Städte unterteilen. In latinischen +Siedlungen gibt es das römische Bürgerrecht nur für Menschen in politischen Ämtern. + +Oft bestimmen die einheimischen Kulturen das Alltagsleben und die Statthalter sind +nur für Streitschlichtung zuständig. Die Eingriffe der römischen Provinzialverwaltung +beschränken sich auf ein absolutes Minimum, weil ein größeres Engagement mangels +effizienter Verwaltungsstrukturen schlicht nicht möglich war. Alte Stammes- und +Stadtverfassungen bleiben in den einheimischen Städten in Kraft. In religiösen +Fragen mischt sich der römische Staat nicht ein. + +Die Aufgaben der Statthalter beschränken sich auf die Aufrechterhaltung von Ruhe +und Ordnung, dem Schutz von Leben und Eigentum (Schutz der Eliten) und die Garantie +der Funktion der lokalen Selbstverwaltung und Rechtsprechung. + +Einheimische Sprachen bestehen ebenso weiter. In der Spätantike wurde am Kaiserhof +in Trier noch Keltisch gesprochen. In Syrien und Palästina wurde von der +Oberschicht Griechisch und von dem allgemeinen Volk Aramäisch gesprochen. In +Afrika ist Punisch weiterhin in aktiver Benutzung. Mehrsprachigkeit war demnach +ein häufigeres Phänomen als in der Neuzeit. + +Von 600 Senatoren war nur ein kleiner Teil in den Provinzen. Dazu kommen einige +Tausend Ritter und die Stadträte, welche zusammen für die gesamte Verwaltung +zuständig waren. Erst Diocletian bläht die Verwaltung auf, was jedoch auch +wieder Nachteile mit sich bringt. Im gesamten Reichsgebiet gibt es also nur eine +dünne Suprastruktur, die alles zusammenhält. Und diese Struktur löst sich in der +sog. Völkerwanderung auf. + + +\end{document}