diff --git a/geschichte/sitzungsprotokoll-20180507-osteuropa.tex b/geschichte/sitzungsprotokoll-20180507-osteuropa.tex new file mode 100644 index 0000000..78ea7dd --- /dev/null +++ b/geschichte/sitzungsprotokoll-20180507-osteuropa.tex @@ -0,0 +1,177 @@ +\documentclass[10pt,a4paper,oneside,ngerman,numbers=noenddot]{scrartcl} +\usepackage[T1]{fontenc} +\usepackage[utf8]{inputenc} +\usepackage[ngerman]{babel} +\usepackage{amsmath} +\usepackage{amsfonts} +\usepackage{amssymb} +\usepackage{bytefield} +\usepackage{paralist} +\usepackage{gauss} +\usepackage{pgfplots} +\usepackage{textcomp} +\usepackage[locale=DE,exponent-product=\cdot,detect-all]{siunitx} +\usepackage{tikz} +\usepackage{algpseudocode} +\usepackage{algorithm} +\usepackage{mathtools} +\usepackage{hyperref} +\usepackage[german=quotes]{csquotes} +%\usepackage{algorithmic} +%\usepackage{minted} +\usetikzlibrary{automata,matrix,fadings,calc,positioning,decorations.pathreplacing,arrows,decorations.markings} +\usepackage{polynom} +\polyset{style=C, div=:,vars=x} +\pgfplotsset{compat=1.8} +\pagenumbering{arabic} +%\def\thesection{\arabic{section})} +%\def\thesubsection{(\alph{subsection})} +%\def\thesubsubsection{(\roman{subsubsection})} +\makeatletter +\renewcommand*\env@matrix[1][*\c@MaxMatrixCols c]{% + \hskip -\arraycolsep + \let\@ifnextchar\new@ifnextchar + \array{#1}} +\makeatother +\parskip 12pt plus 1pt minus 1pt +\parindent 0pt + +\DeclarePairedDelimiter\abs{\lvert}{\rvert}% +\DeclarePairedDelimiter{\ceil}{\lceil}{\rceil} + +\newenvironment{myitemize}{\begin{itemize}\itemsep -9pt}{\end{itemize}} % Zeilenabstand in Aufzählungen geringer + +%switch starred and non-starred (auto-size) +\makeatletter +\let\oldabs\abs +\def\abs{\@ifstar{\oldabs}{\oldabs*}} +\makeatother + +\hypersetup{ + colorlinks, + citecolor=black, + filecolor=black, + linkcolor=black, + urlcolor=black +} + +\MakeOuterQuote{"} + +\begin{document} +\author{Jim Martens (6420323)} +\title{Vorlesung Osteuropa im 1. Weltkrieg} +\subtitle{Vorlesungsprotokoll vom 7. Mai 2018} +\date{7. Mai 2018} +\maketitle + +\section{Entwicklung im Kaukasus} + +Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstanden die drei kaukasischen Staaten +Azerbaidschan, Armenien und Georgien. Im kaukasischen Teil Russlands formierte +sich 1919 die Freiwilligenarmee der "weißen" Gegenbewegung zu den Bolschewiken. +Azerbaidschan und Georgien schlossen ein Verteidigungsbündnis gegen diese +Armee, wohingegen Armenien sich mit ihr verbündete. Grund hierfür ist eine +Auseinandersetzung von Armenien mit Azerbaidschan. Dieser Konflikt besteht +im Übrigen auch heute noch. Nach dem endgültigen Ende der weißen Kräfte fehlte +der Partner für Armenien. Dieses wechselte schnell die Seiten und verbündete sich +mit den Bolschewiken, was weniger ideologisch und mehr geopolitisch begründet +war. + +Im Osmanischen Reich kam 1920 die nationalistische Bewegung an die Macht, verlegte +die Hauptstadt nach Ankara und nannte den Staat fortan Türkei. Aus Sicht der +Bolschewiken stellte die kemalistische Türkei das Gegenteil zum reaktionären +Osmanischen Reich dar, was zu einem Bündnis zwischen beiden Kräften führte. +In der Folge einigte sich die Türkei mit Russland auf die Eroberung von Azerbaidschan. +Die Rote Armee marschierte in Azerbaidschan ein. Daraufhin trat am 1. April 1920 +die Regierung von Azerbaidschan zurück und am 28. April wurde die sozialistische +Sowjetrepublik Azerbaidschan ausgerufen. Die Bolschewiken hatten ein großes +Interesse an der Kontrolle von Azerbaidschan und damit Baku, weil sich dort +große Erdölvorkommen befanden. Schon im Zarenreich wurde 1844 eine erste +Ölquelle dort durch Bohrung erschlossen. Die Nutzung von Öl in Baku +reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. + +Mit der Quasi-Annexion von Azerbaidschan hatte Armenien erneut ein Problem. +Im Herbst 1920 begann ein Krieg mit der Türkei, in dem die türkischen Truppen +in Armenien einmarschierten, um ehemals osmanische Gebiete zurückzuerobern. +Armenien versuchte eine Kriegslist und besetzte zu Georgien gehörendes Gebiet +im Versuch die türkischen Truppen zu umgehen. Bevor die türkischen Truppen +die Städte erreichten, wurden Progrome an der türkischen Bevölkerung verübt. +Knapp einen Monat nach Beginn des Kriegs ersuchte Armenien im Oktober 1920 um die +Hilfe von Großbritannien, Frankreich und Italien. Sie bekamen allerdings keine +Unterstützung. Lediglich Griechenland schickte einige hundert Truppen nach +Armenien. Nachdem vorher georgische Gebiete besetzt wurden, ersuchte Armenien +nun um die Hilfe Georgiens. + +Es folgte auf Vermittlung der Bolschewiken ein türkisch-armenischer Friedensvertrag, +der allerdings unmittelbar gebrochen wurde. Die türkischen Truppen marschierten +einfach weiter. Am 8. November übermittelte die Türkei ihre Bedingungen. Der +Waffenstillstand wurde am 18. November geschlossen. Am 29. November putschten +sich armenische Bolschewiki an die Macht. Drei Tage später wurde die +heutige Grenze eingerichtet, die Armee entwaffnet und auf Gebiete verzichtet, +welche Armenien im Friedensvertrag mit dem Osmanischen Reich zugesichert bekam. +Im Dezember marschierte dann auch die Rote Armee von Azerbaidschan aus in Armenien +ein. Kurz darauf wurde die armenische sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen. +Mit Georgien wurde ähnlich verfahren. + +Im Jahr 1921 wurde ein Bündnisvertrag zwischen Armenien und Russland geschlossen, +wodurch sämtliche Kompetenzen an Moskau abgegeben wurden. 1922 wurden Armenien, +Azerbaidschan und Georgien zur Transkaukasischen sozialistischen föderativen +Sowjetrepublik. Kurz darauf wurde allerdings der föderative Teil entfernt und +ein Einheitsstaat gebildet. Im November 1922 trat diese Republik der Union +der sozialistischen Sowjetrepubliken bei. + +\section{Abtrennungsfreiheit} + +Nach der sogenannten Oktoberrevolution, die vielmehr eine Machtergreifung +einer Minderheit darstellte, erließ die neue Regierung Dekrete zur Umsetzung +ihrer Versprechen. Eine der Deklarationen beinhaltete das Verhältnis zu den Völkern +Russlands: + +\begin{enumerate} + \item Gleichheit und Souveranität der Völker Russlands + \item Recht der Völker Russlands auf freie Selbstbestimmung, bis hin zur + Loslösung und Bildung eines selbstständigen Staates. + \item Aufhebung aller und jeglicher nationaler und nationalreligiöser + Privilegien und Einschränkungen + \item Freie Entfaltung nationaler Minderheiten und ethnographischer Gruppen, + die das Gebiet Russlands bewohnen. +\end{enumerate} + +Diese Deklaration klang zwar auf den ersten Blick ganz sympathisch, hatte aber +einen Haken. Die Abtrennungsfreiheit wurde nur als Übergangsperiode auf dem +Weg hin zur Verschmelzung der Nationen angesehen. Finnland nahm die Abspaltung +in Anspruch, was genehmigt wurde. Im Anschluss wurde die sowjetische Revolution +in Finnland unterstützt. Es gab also zwei Phasen. Die Loslösung in bürgerlicher +Phase und die Verschmelzung in sowjetischer Phase. + +\section{Entwicklung in Ukraine} + +In der Ukraine gab es eine linke politische Bewegung, die formale Gleichberechtigung +mit dem Rest Russlands wollte. Am 17. März 1917 wurde eine Konferenz einberufen, +um eine politische Vertretung zu schaffen. Erste Beschlüsse des Zentralrats +der Ukraine gab es am 7. April 1917. Die linke Bewegung möchte für die Autonomie +der Ukraine mit legalen Mitteln kämpfen. Auf Einladung schlossen sich weitere +linke Parteien dem Zentralrat an. Das Ziel war Autonomie im Rahmen eines +demokratischen und föderalen russischen Staates. Die Autonomie wurde am +23. Juni 1917 proklamiert. Es wurde ein allukrainisches Parlament gefordert, +welches Gesetze erlassen könnte, die dann später von der allrussischen +Vertretung bestätigt werden müssten. + +Die provisorische Regierung Russlands wusste nicht, wie sie mit der Situation +umgehen sollte. Entsprechend gingen die Gespräche zwischen dem Zentralrat +und der Regierung immer hin und her. Schließlich wurde die Zustimmung erteilt +und dies in einem Universal des Zentralrats verkündet. Die Regionalregierung der +Ukraine nennt sich "Generalsekretariat". Im dritten Universal wird die +Selbstständigkeit und im vierten Universal die Unabhängigkeit im Januar 1918 +erklärt. Dies passierte nachdem im Oktober 1917 die Bolschewiken die Macht +übernahmen. Die Bolschewiken verlangten die gleiche Anerkennung, wie sie +der provisorischen Regierung entgegengebracht wurde. Dies lehnte die Ukraine +jedoch ab, welche die sowjetische Regierung einzig als russische Regionalregierung +ansah. + +Aufgrund der linken Politik des Zentralrats, die als revolutionshemmend angesehen wurde, +konnte sich dieser aus Sicht der Bolschewiken auch nicht auf die Abtrennungsfreiheit +berufen. Die Erklärung der Unabhängigkeit war daher aus bolschewistischer Sicht +nicht erlaubt. Es kam zum Krieg Russlands gegen die Ukraine. + +\end{document}