From d7d4590896d034231c473f5c4ba6a498fe4678b6 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Jim Martens Date: Fri, 1 Nov 2019 16:05:31 +0100 Subject: [PATCH] Added post about insurances Signed-off-by: Jim Martens --- .../2019-11-01-kam-sah-versicherte.markdown | 135 ++++++++++++++++++ 1 file changed, 135 insertions(+) create mode 100644 _posts/2019-11-01-kam-sah-versicherte.markdown diff --git a/_posts/2019-11-01-kam-sah-versicherte.markdown b/_posts/2019-11-01-kam-sah-versicherte.markdown new file mode 100644 index 0000000..36c68c8 --- /dev/null +++ b/_posts/2019-11-01-kam-sah-versicherte.markdown @@ -0,0 +1,135 @@ +--- +layout: post +title: "Ich kam, sah und versicherte mich" +date: 2019-11-01 10:00:00 +0200 +categories: blog +--- + +Versicherungen hätten selbst die Römer in die Knie gezwungen. +Das ist zumindest mein Eindruck nach einer Expedition durch die Untiefen der Versicherungslandschaft. +Der folgende Bericht schildert meine Eindrücke und Probleme entlang des Wegs. + +## Krankenversicherung + +Fast jede*r ist im eigenen Leben schon einmal in Kontakt mit Versicherungen gekommen. Der Besuch bei der Ärztin +wird bei gesetzlich Versicherten direkt mit der Krankenkasse abgerechnet. Privat Versicherte zahlen den Betrag +hingegen selbst und können sich diesen im Anschluss erstatten lassen. Hauptunterschied zwischen dem gesetzlichen +und dem privaten System sind die Krankenversicherungsbeiträge: Im gesetzlichen System hängen diese ab von dem +Einkommen, im privaten hingegen vom persönlichen Risiko. Gerade im Alter wird das private System zur Falle: +die Beiträge steigen ins Unermessliche und eine Rückkehr in das günstigere gesetzliche System +ist ausgeschlossen. +Überhaupt ist das gesetzliche System nicht offen für alle. Grundsätzlich kann nur Mitglied einer +gesetzlichen Krankenkasse werden, wer jünger als 55 Jahre alt und versicherungspflichtig ist. Letzteres +ist der Fall bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Brutto-Jahresgehalt von weniger als +60.750 Euro. + +Während des Studiums gilt grundsätzlich Versicherungspflicht. Allerdings ist es möglich sich für das gesamte +Studium inklusive konsekutiver Masterstudiengänge von dieser Versicherungspflicht zu befreien. Über meinen +Vater war ich durch die Beihilfe mitversichert. Die Beihilfe ist zwar eine staatliche Einrichtung, zählt aber +zum privaten System. Für mich war es günstiger mich zu befreien und dann über die Beihilfe versichert zu sein. +Die Differenz zum 100%-igen Versicherungsschutz wurde über eine private Krankenversicherung erbracht. +Mit Beginn meiner Arbeitszeit im November werde ich erneut versicherungspflichtig. Damit kann ich dann in das +gesetzliche System zurückwechseln. + +Dort beginnt das eigentliche Problem aber erst: Welche der unzähligen gesetzlichen Krankenkassen ist die richtige +für mich? Die Pflichtleistungen werden von allen gleichermaßen erbracht. Aber darüber hinaus gibt es +diverse freiwillige Zusatzleistungen, welches sich zwischen den Kassen unterscheiden. Neben dem gesetzlichen +Beitrag erhebt jede Krankenkasse einen Zusatzbeitrag im Umfang von durchschnittlich 0,9%. Relevant waren für mich +möglichst viele Zusatzleistungen im Zahnbereich, wo die Pflichtleistungen der Krankenkassen den Bedarf nicht +annähernd decken. + +Aufgrund der unzureichenden Abdeckung habe ich darüber hinaus eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen. Das ist +eine private Versicherung, welche die gesetzlichen Leistungen ergänzt und einen eigenen Beitrag erhebt. Dieser +ist allerdings wie bei jeder privaten Versicherung nicht abhängig vom Einkommen. In meinem Fall bildet die +Versicherung auch keine Altersrückstellungen, sodass der Beitrag im Alter ansteigt. Damit dieser effektiv stabil +bleibt, muss **ich** also Altersrückstellungen bilden. + +## Haftpflicht + +Zu diesem Zeitpunkt mag das schon überwältigend sein. Doch es geht gerade erst los. Nach dem Thema der +Krankenversicherung habe ich mich um die Haftpflichtversicherung gekümmert. Diese Versicherung bezahlt Schäden, +die durch mich verursacht wurden. Ein solcher Fall wird in meinem Leben mit Sicherheit eintreten, weswegen +diese Versicherung sehr sinnig ist. Ich wohne in einer Wohnung mit zentraler Schließanlage. Sollte ich +den Hausschlüssel verlieren, müsste ich die Kosten für die gesamte Anlage tragen. Sowas kann schnell in die +Zehntausende gehen und dort ist eine Haftpflichtversicherung essentiell, um nicht in eine Zahlungsunfähigkeit +zu geraten. Zum Glück sind die monatlichen Beiträge für diese Art der Versicherung moderat (ca. 7 Euro). + +Die Auswahl der Versicherung habe ich über Vergleichsportale vorgenommen. Einige der Versicherungen können +auch direkt online abgeschlossen werden. Dann wird aber auf eine persönliche Beratung verzichtet. In jedem +Fall sollte man sich vorher informieren, auf welche wichtigen Punkte zu achten ist. + +## Altersvorsorge + +Nächster großer Punkt ist die Altervorsorge. Die gesetzliche Rente ist sicher, aber unzureichend. Mit meinem +Bruttogehalt bekomme ich ungefähr einen Rentenpunkt pro Jahr. Bis zum Renteneintrittsalter von 67 kann ich maximal +42 Jahre arbeiten und daher realistisch auch maximal so viele Rentenpunkte erwerben. Zeiten des Studiums und +der Oberstufe können ebenfalls auf die Rente angerechnet werden. Damit könnte ich auf 50 Punkte kommen. +Selbst unter dieser Annahme bekäme ich basierend auf dem Rentenrechner ca. 1.600 Euro Rente pro Monat. Diese +Summe müsste dann noch versteuert werden. Dabei verdiene ich ab November ca. 2.000 Euro netto. Dort entsteht +also eine ernsthafte Lücke - die sogenannte Rentenlücke. Diese gilt es mittels privater Altersvorsorge zu +schließen. + +Dort gibt es grundsätzlich zwei Säulen: geförderte Verträge und der Rest. Zu den staatlich geförderten +privaten Produkten zählt die Riesterrente. Der maximale Beitrag pro Monat beträgt 175 Euro. Für die volle +staatliche Förderung von 175 Euro im Jahr muss mindestens 4% des Bruttogehalts monatlich als Beitrag gezahlt +werden. Zusätzlich zur direkten Förderung gibt es noch steuerliche Nachlässe, da die Beiträge zur Riesterrente +vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden können. Im Gegenzug muss im Alter bei Bezug der Rente +Einkommenssteuer auf den Ertragsanteil gezahlt werden. Der Ertragsanteil ist dabei jener Teil der Rente, welcher +über Zinsen und Überschüsse im Laufe des Vertrags erzielt wurde. Aufgrund der Niedrigzinsen lohnt sich eine +klassische Versicherung aber nicht mehr. Einzig fondsgebundene Versicherungen erwirtschaften noch Rendite. +Ich habe mich für den Höchstbeitrag entschieden und beraten lassen. Die Entscheidung ist dann auf eine +fondsgebundene Riesterrente gefallen. + +An dieser Stelle möchte ich auch auf die Kritik an der Riesterrente eingehen. Die Versicherungsunternehmen +rechnen mit einer absurd hohen Lebenserwartung. Daher strecken sie das erreichte Vermögen auf einen unnötig langen +Zeitraum, wodurch die monatliche Rente geringer ausfällt. Meistens wird mit dem Alter 99 gerechnet, obwohl eine +realistische Lebenserwartung eher bei 78 liegt. Immerhin kann man sich unschädlich 30% des Vermögens direkt +ausbezahlen lassen, was bei einer kurzen Lebenserwartung vorteilhaft sein kann. +Der Vorschlag von Norbert Blüm ist da sehr interessant: Die 4% des Bruttogehalts könnten auch in die gesetzliche +Rentenkasse fließen +und dann von den Arbeitgeber*innen verdoppelt werden. Davon hätten die meisten Menschen viel mehr. +Geringverdiener\*innen profitieren überhaupt nicht von der Riesterrente, zumal diese auf die Grundsicherung +im Alter angerechnet wird. Bestrebungen zu einer umfassenden Reform gibt es immer wieder, auch die amtierende +"Große" Koalition im Bundestag hat eine entsprechende Absicht im Koalitionsvertrag stehen. Der große Durchbruch +ist bislang jedoch nicht gelungen. + +## Berufsunfähigkeitsversicherung + +Im Gegensatz zu den bisher genannten Versicherungen habe ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung seit 2015. +Zum Ende des Studiums habe ich die versicherte Rente auf 2.000 Euro angehoben und die Versicherungszeit bis +zum 67. Lebensjahr ausgedehnt. Bei jeder Versicherung stellt sich die Frage, ob diese sich lohnt. Stehen Risiko +und Kosten im richtigen Verhältnis? Dazu ist es wichtig das persönliche Risiko einzuschätzen: Wie wahrscheinlich +ist der Versicherungsfall? Käme ich in dem Versicherungsfall ohne die Versicherung aus? + +Das Risiko bei der Berufsunfähigkeit, also unbegrenzte Arbeitsunfähigkeit, ist gering genug, sodass die +Beiträge bezahlbar sind. Im Falle einer Berufsunfähigkeit und entsprechend ausbleibenden Gehältern könnte +ich aber nicht auf die versicherte Leistung verzichten. Beide Aspekte zusammen sprachen 2015 und sprechen immer +noch für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Beiträge belaufen sich auf ca. 67 Euro monatlich. + +## Geldanlage + +Neben all diesen Versicherungen empfiehlt es sich auch ca. drei Monatsgehälter anzusparen und sofort zugriffsbereit +zu haben für ungeplante Kosten. Dieses Geld sollte aber nicht auf dem Girokonto liegen. Für diesen Zweck +lohnt sich ein Tagesgeldkonto, auch wenn keines mehr Zinsen über Inflationsrate anbietet. Mit ein wenig +Suche finden sich aber immer noch Konten, die zumindest ein wenig Zinsen auszahlen. Tagesgeldkonten sind übrigens +rechtlich gesehen auch Versicherungen. + +## Rechtsschutzversicherung + +Unschlüssig bin ich mir bei der Rechtsschutzversicherung. Während des Studiums hatte ich eine solche, musste +aber nie Gebrauch davon machen. Andererseits kann es gerade eine solche Versicherung sein, die es ermöglicht +überhaupt das eigene Recht über den Rechtsweg einzuklagen. Auch hier ist das persönliche Risiko als +Entscheidungsgrundlage relevant. Wer viel Auto fährt oder Stress mit dem Boss erwartet, kommt an einer +Rechtsschutzversicherung kaum vorbei. Die Kosten bewegen sich so im Rahmen von 30-40€ im Monat für gute +Versicherungen. + +## Fazit + +Die hier vorgestellten Versicherungen passen für fast alle Menschen. Daneben gibt es noch eine ganze Liste +an Versicherungen, die in der Regel keine Praxisrelevanz haben. In jedem Fall sollte man sich rechtzeitig mit +dem Thema auseinandersetzen und viel Frustrationstoleranz mitbringen. Ich habe hier bewusst keine konkreten +Versicherungen genannt, da ich keine allgemeinen Empfehlungen aussprechen kann und möchte. + +Neben dem ganzen Thema der Versicherungen gibt es noch den großen Aspekt der Geldanlage über das Tagesgeld +hinaus. Dazu werde ich etwas schreiben, sobald ich erste Erfahrungen damit gesammelt habe. +